Russlands Präsident Wladimir Putin hat am Mittwoch die Teilmobilisierung der Streitkräfte verkündet. Rund 300.000 Reservisten sollen für den Kampf in der Ukraine mobilisiert werden. Berichten in den sozialen Medien zufolge sind die ersten Russen nun eingezogen worden. Männer im wehrpflichtigen Alter müssen im Zuge der Mobilmachung mit bis zu zehn Jahren Haft rechnen, wenn sie die Teilnahme an Kampfhandlungen verweigern.

Doch offenbar wollen viele junge Russen nicht in einen Krieg ziehen. Auf sozialen Medien häufen sich Videos und Fotos von langen Staus an den Grenzen zu Russlands Nachbarländern. 

Flugpreise verzehnfacht, lange Staus an Grenzen

Auch Flugtickets in nächstgelegene Länder sind von Russland aus sehr teuer geworden. Turkish Airlines teilte mit, dass es erst am Samstag wieder Plätze für Istanbul gebe, eines der wichtigsten Drehkreuze für Flüge aus und nach Russland. Die Preise sollen sich teilweise verzehnfacht haben.

Mehrere Russen sollen nun versucht haben, über den Grenzübergang in Lars das Land in Richtung Georgien zu verlassen. Der Checkpoint befindet sich südlich von Wladikawkas, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Nordossetien-Alanien.

Auch an der Grenze zu Finnland soll es in der Nacht zu Donnerstag zu Staus gekommen sein. Es ist die einzige Grenze, die für russische Touristen mit Schengen-Visa noch geöffnet ist. Erst vor zwei Tagen hatten die baltischen Staaten die Einreise von Russen gestoppt. In sozialen Medien sprachen die Menschen davon, dass der Stau mittlerweile 35 Kilometer lang ist.

Nach Angaben des Leiters für internationale Angelegenheiten des finnischen Grenzschutzes, Matti Pitkäniitty, kamen am Mittwoch insgesamt 4824 Russinnen und Russen über die Grenze in Finnland an. Am selben Tag der Vorwoche seien es 3133 gewesen. „Die gestrige Zahl ist niedriger als an einem normalen Wochenende“, betonte Pitkäniitty.

Außenminister Pekka Haavisto kündigte an, Finnland werde eine eigene Lösung für die Frage russischer Touristenvisa finden. „Finnland will kein Transitland für Schengen-Visa werden, die andere Länder erteilt haben“, sagte Haavisto dem öffentlich-rechtlichen Rundfunksender Yle zufolge am Mittwochabend. „Es gibt keine moralische Rechtfertigung dafür, dass die russischen Ferien so weitergehen wie bisher.“ Die Grenze zu Russland solle aber nicht komplett geschlossen werden, da es weiterhin legitime Gründe für die Einreise nach Finnland gebe. Finnland hat mit 1340 Kilometern die mit Abstand längste Grenze zu Russland unter den EU-Ländern.

Video zeigt emotionalen Abschied: Reservisten verlassen wohl ihre Familien

In Teilen Russlands machen sich die Männer nun offenbar für die Teilmobilmachung bereit. Ein Journalist der britischen Zeitung The Guardian, Piotr Sauer, veröffentlichte dazu ein Video auf Twitter. Dort sind offenbar Reservisten zu sehen, die sich von ihren Familien verabschieden, da sie durch die Teilmobilmachung eingezogen werden können. Das Video soll in Jakutsk, der Hauptstadt der Republik Sacha im Nordosten Russlands aufgenommen worden sein. 

Nach Verkündigung der Teilmobilmachung kam es zu landesweiten Protesten. Mehr als 1300 Menschen wurden festgenommen, 556 davon allein in St. Petersburg. Auch in der Hauptstadt Moskau gab es mehr als 500 Festnahmen.