Berlin/ Düsseldorf - Armin Laschet sorgt im Wahlkampf für eine Debatte, die jetzt auch in Berlin geführt wird. Der Kanzlerkandidat der CDU hatte im Landtag von Nordrhein-Westfalen gesagt: „Ich stimme selten, eigentlich nie, der AfD zu“. Aber dann in Richtung eines AfD-Politikers: „Sie haben heute einen wahren Satz gesagt: Immer wenn jemand ankommt und sagt ,die Wissenschaft sagt‘, ist man klug beraten, zu hinterfragen, was dieser gerade im Schilde führt.“ Der AfD-Abgeordnete Martin Vincentz hatte zuvor gesagt: „Die Wissenschaft, wie es heute oft heißt, gibt es schlicht nicht.“ Die Wissenschaft sei immer „ein Vielklang unterschiedlicher Stimmen“.

Laschet habe damit einen „absoluten Tabubruch“ begangen und sich „zum Kronzeugen der AfD“ gemacht, empörte sich der SPD-Partei- und Fraktionschef von Nordrhein-Westfalen, Thomas Kutschaty. „Das ist Wasser auf die Mühlen der AfD, das ist schlecht für un­se­re Demokratie, Herr Laschet“, so der SPD-Politiker weiter. Die AfD leugne in weiten Teil die Gefährlichkeit von Corona und sei „der parlamentarische Arm der Querdenker und Coronaleugner“.

Der im Bundestag sitzende SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach twitterte: „Das, was Armin Laschet hier sagt, ist doppelt schrecklich. Der AfD sollte man nie öffentlich zustimmen, erst recht nicht in einem Landtag. Und zum zweiten werden wir ohne Vertrauen in und Respekt vor der Wissenschaft den Klimawandel nicht bewältigen.“ 

Armin Laschet: „Wir werden alles tun, um mit Viren zu leben“

Bereits zuvor hatte Armin Laschet für Aufsehen gesorgt, als er sich klar gegen die Corona-Politik der amtierenden Kanzlerin Angela Merkel stellte. „Ihrer Methode, alles wieder zu schließen, werden wir nicht folgen“, so Laschet. Auch bei steigenden Inzidenzen dürfe ein neuer Lockdown nicht selbstverständlich sein. Laschet weiter: „Wir werden alles tun, um mit Viren zu leben.“

Im Netz wird der CDU-Politiker scharf kritisiert, unter dem Hashtag #Laschetlasset und #Laschetverhindern wird Laschet teils heftig angegangen. Auch der Vergleich mit dem Satz „Ich bin zwar kein Rassist, aber...“ wird gezogen. Hintergrund des Streits ist die Auflösung von Laschets Corona-Experten­rat. Dieser hatte die Landesregierung seit Ausbruch der Corona-Krise beraten. SPD und Grüne im Landtag kritisierten zuvor die Auflösung des Expertenrats in einer Phase, in der sich die Delta-Variante in Deutschland und in NRW ausbreite und die Folgen noch ungewiss seien.

Der Grünen-Abgeordnete Mehrdad Mostofizadeh sprach von einem „merkwürdigen Signal“. Die SPD-Abgeordnete Lisa-Kristin Kapteinat warf Laschet eine „erschreckende Arroganz“ gegenüber dem Virus vor, das die ganze Welt in Atem halte.