Frankfurt am Main - Die UEFA hält unbeirrt an ihren Plänen für die EM im Sommer fest. Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bezeichnet dies im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung, als „verantwortungslos“ – und warnt vor schweren gesundheitlichen Schäden bei Spielern. Zehntausende Fans in den EM-Stadien, dazu Nationalmannschaften, die für ihre Spiele munter zwischen Amsterdam, Bukarest oder London hin- und herreisen – für den SPD-Gesundheitsexperten ein Unding inmitten der Pandemie.

UEFA hat bereits acht Spielorte bestätigt

Lauterbach brachte auch einen Punkt auf, der bislang in der Debatte wenig Beachtung fand: Die gesundheitlichen Risiken für Fußballprofis wegen möglicher gravierender Spätfolgen nach Coronainfektionen. Er spricht dabei von eventuellen „gesundheitlichen Langzeitschäden“, die „das sofortige Karriereende bedeuten können“ – das Fachwort heißt „Long Covid“. Dabei handle es sich etwa um „chronische Müdigkeit und Erschöpfung nach Belastungen sowie Herz- und Gefäßprobleme“. Durch Mutationen würden nun auch Fußballer „häufiger – und schwerer – erkranken“, sagte Lauterbach weiter und erläuterte: „Viel kürzere Verweildauern in Duschkabinen, Hotelzimmern oder Gesprächsräumen reichen nun für Infektionen.“

Acht Spielorte, die die geforderten Zuschauergarantien abgegeben haben, hat die UEFA schon bestätigt. Die Stadt München kann jedoch zum jetzigen Zeitpunkt nicht garantieren, dass bei der Fußball-Europameisterschaft im Sommer in der Allianz Arena zumindest teilweise wieder Zuschauer zugelassen werden. Das aber fordert der Kontinentalverband UEFA von den zwölf Ausrichterstädten für das paneuropäische Turnier. Städte, in denen Geisterspiele drohen, könnten noch als Ausrichter gestrichen werden. „Es ist aus heutiger Sicht natürlich leider nicht auszuschließen, dass aufgrund des Infektionsgeschehens und entsprechender Vorgaben der bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung zu den Spielterminen im Juni keine Zuschauer zugelassen werden können“, so der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD).

Gesundheitsberater hält Deadline der UEFA für zu kurz

Kritik am Vorgehen der UEFA, den vier Wackelkandidaten München, Dublin, Rom und Bilbao die Pistole auf die Brust zu setzen, gab es von anderer Stelle. Es sei „eine ziemliche Frechheit, was da abläuft“, sagte Alexander Fischer, Sprecher des Fan-Dachverbands Club Nr. 12 von Bayern München, dem Deutschlandfunk: „Man setzt ja de facto die Verbände bzw. die Stadionbetreiber unter Druck und sagt: Entweder ihr spielt mit Zuschauern oder es wird bei euch gar nicht gespielt.“

Der oberste Gesundheitsberater der italienischen Regierung hält die Deadline der UEFA für deutlich zu kurz. „Es ist schwierig, eine Vorhersage für ein Ereignis zu machen, das in zwei Monaten stattfindet“, sagte Franco Locatelli dem Rundfunksender RAI. Anfang Mai ließen sich verlässlichere Aussagen machen.