Berlin - Die Kitas und Grundschulen könnten nach Ansicht des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach ab Mitte des Monats wieder öffnen. „Ich kann mir vorstellen, dass es epidemiologisch vertretbar wäre, Kitas und Grundschulen in der zweiten Januarhälfte zu öffnen“, sagte Lauterbach der Rheinischen Post am Sonnabend.

Voraussetzung wäre, dass alle anderen Klassenstufen geteilt würden und wechselnd Präsenz- und Digitalunterricht erhalten oder der Präsenzunterricht ganz ausgesetzt werde. Wenn dagegen alle Schulen wieder aufmachten wie vor den Ferien, „laufen wir Gefahr, dass wir selbst den Inzidenzwert von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner und Woche trotz Lockdowns gar nicht erst erreichen werden“, warnte der SPD-Politiker.

Lauterbach: Europa hat zu wenig Impfstoff gekauft

Angesichts des Engpasses bei Impfstoffen drang Lauterbach auf eine schnellere Zulassung des Wirkstoffs des britisch-schwedischen Pharmakonzerns AstraZeneca und brachte notfalls einen deutschen Alleingang ins Gespräch. Außerdem halte er es für richtig, bei allen verfügbaren Impfstoffen zunächst mit einer Einmalimpfung zu starten: „Damit würden wir wahrscheinlich sehr viele schwere Fälle in den nächsten zwölf Wochen abwenden können“, sagte Lauterbach.

Der Gesundheitsexperte kritisierte den Mangel an Impfstoffdosen. Es sei sehr bedauerlich, dass Europa „so wenig von dem teuren amerikanischen Impfstoff von Moderna gekauft hat“. Schon sehr früh sei klar gewesen, dass der Moderna-Impfstoff sehr stark wirke und in Hausarztpraxen verwendet werden könne: „Das wäre jetzt kein Nachteil“, sagte Lauterbach. „Auch mehr Biontech-Impfstoff wäre nicht falsch gewesen.“

Man habe wohl zu sehr auf spätere und vielleicht preiswertere Impfstoffe gehofft. „Wenn Deutschland selbst oder die EU von vornherein mehr Biontech-Impfdosen bestellt hätte, wären wir jetzt schon deutlich weiter“, sagte Lauterbach.