Berlin - Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat sich am Mittwoch erneut für eine Streckung der zweiten Dosis bei mRNA-Impfstoffen ausgesprochen. Zu diesen Impfstoffen gehören die Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna. Lauterbach nannte auf Twitter einen möglichen Abstand von zwölf Wochen zwischen zwei Impfungen.

Bei seiner Argumentation bezog sich Lauterbach auf eine Studie der amerikanischen Harvard-Universität. Diese zeige, dass durch eine Streckung der zweiten Dosis von Biontech und Moderna die Wahrscheinlichkeit von Fluchtmutationen, „gegen die Impfungen nicht wirken, sogar sinkt“. Eine Fluchtmutation macht das Virus teilweise resistent gegen Immunität durch Impfung oder überstandener Infektion.

„Bis 1. Juli hätten wir kaum mehr Todesfälle und Intensivpatienten“

Es sei klar, dass die Streckung der zweiten Dosis zahlreiche Todesfälle verhindere, so Lauterbach weiter. Als Gegenargument bringe die Ständige Impfkommission (Stiko) den Hinweis auf die Gefahr von impfresistenten Mutationen in Teilgeimpften. Dies sei allerdings falsch, so Lauterbach. Die Harvard-Studie zeige, dass das Risiko in einer Population vollgeimpfter und nicht geimpfter Personen sogar größer sei, „weil bei Teilimpfung viele Ansteckungen und besonders Superspreader ausfallen“. Das Entstehen von mehr Mutanten während einer Infektion sei aber geringer.

Mit der Verabreichung der zweiten Dosis erst nach zwölf Wochen würde man daher mehr Leben retten, schwere Verläufe verhindern, und Mutationen reduzieren, schrieb Lauterbach. „Bis 1. Juli hätten wir kaum mehr Todesfälle und Intensivpatienten. Die Stiko sollte dies prüfen.“