Berlin - Der SPD-Gesundheitsexperte und Epidemiologe Karl Lauterbach plädiert für Wechselunterricht nach dem 10. Januar. „Ab dem 10. Januar wären Maske+Lüften+volle Klasse viel zu riskant. Das Beste wäre Schulteilung plus gesonderte Förderung der Lernschwächeren“, twitterte Lauterbach. Und er hat noch einen weiteren Vorschlag: „Im Sommer könnten zusätzlich die Ferien gekürzt werden.“

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte zuvor eine frühzeitige Entscheidung verlangt, wie es ab dem 10. Januar an den Schulen weitergeht. „Es ist abzusehen, dass die Lockdown-Maßnahmen über den 10. Januar hinaus verlängert werden müssen“, sagte GEW-Chefin Marlis Tepe dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Lehrer, Schüler und Eltern bräuchten Konzepte rechtzeitig, um sich auf die Situation einstellen zu können. „Ansagen am Freitag, die am Montag umgesetzt sein sollen, darf es nicht mehr geben. Das hat in der Vergangenheit alle Beteiligten oft genug vor unlösbare Probleme gestellt“, kritisierte Tepe. Am 5. Januar wollen Bund und Länder über das weitere Vorgehen beraten.

Kultusministerien und Schulbehörden müssten die verlängerte Ferienzeit nutzen, um tragfähige Konzepte für unterschiedliche Szenarien zu entwickeln, forderte die GEW-Chefin. „Dazu gehört, sich endlich von der Schimäre des bedingungslosen Offenhaltens der Schulen zu verabschieden.“ Die Schulen müssten auf Wechselunterricht umstellen. Nur so könne das Recht auf Bildung aufrechterhalten werden, nur so könnten die Lehrer den Kontakt zu den Schülern halten. Und nur so könne es gelingen, insbesondere ohnehin benachteiligte Kinder und Jugendliche nicht zu verlieren.

Auch das Thema Prüfungen treibt Bildungsgewerkschaften und -verbände um. „Prüfungen und Tests, die zurzeit nicht viel mehr als soziale Ungleichheiten widerspiegeln, sollen ausgesetzt werden“, forderte GEW-Chefin Tepe. Der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, forderte im RND von der Kultusministerkonferenz „dringend Aussagen“, wie Prüfungen durchgeführt und bewertet werden sollen, „aber auch welche Anpassungen an den Curricula und der Anzahl der Leistungstest sowie deren Inhalt vorgenommen werden“. Die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Susanne Lin-Klitzing, sagte dem RND: „Die Kultusministerien müssen die realen Daten erheben, wie viel Unterricht in diesem Schuljahr und im letzten Schuljahr im Vergleich zu den letzten Schuljahren bisher ausgefallen ist. Daraus müssen entsprechende Konsequenzen für Prüfungen und für die Förderung von Schülerinnen und Schülern gezogen werden.“