BerlinVor der Schaltkonferenz der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach gegen eine Lockerung der für November verhängten Corona-Auflagen ausgesprochen. „Ich gehe davon aus, dass wir den Wellenbrecher-Shutdown verlängern müssen, weil die Wirkung schwächer ausfällt als berechnet“, sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe am Samstag. „Neben den Schulen ist eine zu geringe Beschränkung privater Kontakte wahrscheinliche Ursache.“

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat zudem angesichts der steigenden Corona-Zahlen vor einer Fortsetzung des Schulbetriebs in seiner jetzigen Form gewarnt. „Wir kommen in eine Situation hinein, wo der Schulbetrieb für Kinder, Lehrer, Eltern und Großeltern zu einem hohen Risiko wird“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Er sprach sich deshalb unter anderem für eine Aufteilung von Schulklassen aus. Eine Möglichkeit sei, Präsenzunterricht und Homeschooling im wöchentlichen Wechsel anzubieten, erklärte der SPD-Politiker. „Gelingt es uns nicht, den Unterricht neu zu organisieren, werden wir keine andere Wahl haben, als die Weihnachtsferien künstlich zu verlängern oder eine zusätzliche Ferien-Episode etwa im Februar einzulegen.“

Die Neuinfektionen seien viel zu hoch, sagte Lauterbach. „Für Lockerungen gibt es keinen Anlass.“ Neue Studien bestätigten die enorme Bedeutung von Restaurants, Cafés, Bars, Hotels und Fitnessräumen für die Ausbreitung des Coronavirus. „Genau dort entstehen Superspreader-Ereignisse“, sagte Lauterbach. „Wenn wir diese Orte wieder öffnen wie vor dem Shutdown, sind wir in kürzester Zeit wieder dort, wo wir waren: im exponentiellen Wachstum.“

„Kinder sind genauso ansteckend wie Erwachsene“

Lauterbach riet dazu, die Schulklassen aufzuteilen und „im Winter durchgehend mit Maske“ zu unterrichten. Kinder im Alter von 10 bis 19 seien so ansteckend wie Erwachsene.

Der SPD-Politiker warnte eindringlich vor Silvesterfeiern. „Partys über den engsten Kreis hinaus sind in diesem Jahr ein No-Go. Das hätte sofort eine neue Infektionswelle zur Folge.“ Auch sei Deutschland weit entfernt von einem normalen Weihnachten. „Jeder, der seine Familie besucht, muss wissen, dass man einander gefährden könnte.“