Berlin - Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat sich besorgt über den derzeitigen Anstieg der Corona-Infektionszahlen geäußert. „Die angekündigte Sommerwelle ist leider Realität geworden“, sagte Lauterbach der Düsseldorfer Rheinischen Post (Mittwoch). „Das bedeutet auch für die nächsten Wochen wenig Entspannung.“

Der bisher beobachtete Sommereffekt in der Pandemie verpuffe diesmal. Grund dafür sei unter anderem, dass die aktuell zirkulierende Virusvariante sehr leicht übertragbar sei. Außerdem seien fast alle Corona-Maßnahmen ausgelaufen, so Lauterbach „Älteren und Vorerkrankten empfehle ich daher dringend, sich nochmal impfen zu lassen.“ Dies verhindere nicht unbedingt eine Infektion, aber es verhindere schwere Krankheitsverläufe.

Steigende Corona-Inzidenzen

In Deutschland erhielten laut Bundesgesundheitsministerium bisher 5,2 Millionen Menschen eine zweite Auffrischungsimpfung. Das sind 6,3 Prozent der Bevölkerung. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg zuletzt wieder sprunghaft an: Am Dienstag gab das Robert Koch-Institut die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche mit 447,3 an. Dies bedeutete einen markanten Sprung im Vergleich zu 331,8 am Vortag. (Vorwoche: 199,9; Vormonat: 477,0).

Auch der Vorsitzende des Virchowbundes, Dirk Heinrich, rief zur Impfung auf - vor allem jene, die noch keinen Impfschutz haben. „Wer noch nicht geimpft ist, sollte sich jetzt impfen lassen, um eine schwere Erkrankung zu vermeiden“, sagte Heinrich der Rheinischen Post. Der Virchowbund ist ein Verband, der die Interessen der niedergelassenen Ärzte vertritt. Auch Heinrich wies darauf hin, dass sich Ältere oder Menschen, die zu einer Risikogruppe gehören, eine Auffrischungsimpfung abholen sollten. Die Politik rief er dazu auf, Vorbereitungen für den Herbst zu treffen.