Berlin - Top oder Flop: Für etliche prominente Kandidaten ist der Kampf um Direktmandate bei der Bundestagswahl schief gegangen, während andere Triumphe feierten. Bundesminister und Parteivorsitzende stürzten ab, dafür ziehen mancherorts Außenseiter ins Parlament. „Corona-Papst“ Karl Lauterbach (SPD) ist drin, der frühere Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen (CDU) nicht. Ein Blick auf einige besondere Wahlkreise.

Bundesminister gegen Bundesminister

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat das Duell gegen Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) um das Direktmandat im Wahlkreis Saarlouis gewonnen. Es war das bundesweit einzige Duell zweier Bundesminister um ein Direktmandat für den Bundestag.

Wie Altmaier dürften auch weitere Unionskandidaten in den bundesweiten Abwärtstrend von CDU und CSU geraten sein. Mit Kanzleramtschef Helge Braun (Gießen), Agrarministerin Julia Klöckner (Bad Kreuznach) und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (Saarbrücken) verpassten drei weitere CDU-Polit-Promis im Wettstreit mit der SPD die Direktmandate, ebenso wie CDU-Nachwuchshoffnung Philip Amthor in seinem Wahlkreis in Mecklenburg-Vorpommern.

Im Nordosten fiel auch der bisherige Wahlkreis der scheidenden Bundeskanzlerin Angela Merkel an die SPD: die 27-jährige Anna Kassautzki lag vor CDU-Direktkandidat Georg Günther. Der Bundesvorsitzende der Jungen Union, Tilman Kuban, fiel in seinem Wahlkreis Hannover-Land II ebenfalls durch. Er verlor gegen den SPD-Bundestagsabgeordneten Matthias Miersch.

Potsdamer Duell der Kanzlerkandidaten

Kanzlerkandidat Olaf Scholz holte für die SPD nicht nur bundesweit Zugewinne, sondern auch das Direktmandat in seinem Potsdamer Wahlkreis - und das gegen eine prominente Gegenspielerin: Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock, die deutlich abgeschlagen auf Platz zwei landete. Deren Schicksal teilte die SPD-Bundesvorsitzende Saskia Esken, die im Wahlkreis Calw gegen den CDU-Kandidaten Klaus Mack verlor. Sowohl Esken als auch Baerbock - sowie viele weitere Parteipromis - kommen aber über die Landeslisten in den Bundestag. Gereicht hat es für den bisherigen Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD), der im Berliner Wahlkreis Charlottenburg-Wilmersdorf ein Direktmandat gewann.

Grüne Welle

Die Grünen schnitten mit 16 Direktmandaten bundesweit so gut ab wie nie zuvor. Baerbocks Co-Vorsitzender Robert Habeck gewann das allererste Direktmandat für seine Partei in Schleswig-Holstein, dort gegen die CDU-Bundestagsabgeordnete Petra Nicolaisen. Der ehemalige Parteichef Cem Özdemir holte im Wahlkreis Stuttgart I so viele Stimmen wie kein anderer Direktkandidat im Südwesten.

Für den Sohn des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann reichte es allerdings nicht. Johannes Kretschmann unterlag im Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen dem CDU-Kandidaten Thomas Bareiß. Auch der frühere Bundesumweltminister Jürgen Trittin schaffte es in seinem Göttinger Wahlkreis nicht, obwohl er seinen Stimmenanteil von 11,3 Prozent 2017 auf 23,2 Prozent der Erststimmen verdoppelte.

AfD feiert Erfolge im Osten

Sechzehn Direktmandate gewann auch die Alternative für Deutschland - nach nur drei bei der Wahl 2017. Parteichef Tino Chrupalla verteidigte seinen Wahlkreis im sächsischen Görlitz, die übrigen AfD-Wahlkreise liegen ebenfalls in Sachsen sowie in Thüringen und Sachsen-Anhalt. Für Bundestagsfraktionschefin Alice Weidel reichte es im Wahlkreis Bodensee mit 9,2 Prozent der Stimmen nicht. Auch sie kommt über die Landesliste in den Bundestag. Die schwierigsten Pflaster für die Rechtspartei sind übrigens Münster und Köln, wo sie nur 2,9 Prozent der Zweitstimmen holte. In 21 Wahlkreisen blieb die AfD laut Bundeswahlleiter unter 5 Prozent.

Linke mit drei Mandaten und einem blauen Auge

Für die Linke gewannen Gregor Gysi (Berlin), Gesine Lötzsch (Berlin) und Sören Pellmann (Leipzig) Direktmandate – und sicherten ihrer Partei über eine Sonderregel immerhin 39 Sitze im Bundestag. Ohne die Wahlkreissiege wäre die Partei aus dem Parlament geflogen, weil sie bundesweit nur auf 4,9 Prozent kam. Man sei mit einem blauen Auge davon gekommen, sagte Parteichefin Susanne Hennig-Wellsow.

Olympiasieger gewinnt gegen Maaßen

Das Rennen des früheren Verfassungsschützers und CDU-Rechtsaußen Hans-Georg Maaßen in Thüringen erregte bundesweit Aufsehen, doch den Wahlkreissieg trug ein anderer davon: Olympiasieger und Ex-Biathlon-Bundestrainer Frank Ullrich holte das Direktmandat mit deutlichem Abstand für die SPD.

Bundesweit vielleicht genauso beäugt, wenn auch anders, wurde der SPD-Gesundheitspolitiker Lauterbach, der in der Corona-Krise ständig Schlagzeilen machte. Seinen Kölner Wahlkreis holte er wieder souverän, obwohl die CDU mit Serap Güler eine prominente Gegenkandidatin aufbot. Die Integrationsstaatssekretärin gilt als Vertraute von CDU-Chef Armin Laschet.