Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat an die Regierungschefs der Länder appelliert, die beschlossenen Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen maßvoll umzusetzen. „Wir sind noch nicht wirklich in sicheren Gewässern“, sagte Lauterbach am Freitag in Berlin. Rückfälle seien möglich. Daher wäre es falsch, sich mit schnellen Lockerungen zu profilieren. Der Minister appellierte, nicht über die beschlossenen Schritte hinauszugehen. Bund und Länder hatten sich am Mittwoch darauf verständigt, die Corona-Schutzmaßnahmen in drei Schritten bis zum 20. März weitgehend zu beenden.

Das sei aber nicht das Ende der Corona-Maßnahmen, sagte Lauterbach. Er äußerte vor allem Sorge vor einer weiteren Verbreitung des Omikron-Typs BA.2. Er sei ansteckender, und man müsse davon ausgehen, dass er auch einen schwereren Krankheitsverlauf auslöse als der andere Subtyp. Die Situation in Deutschland sei zudem nicht mit Ländern zu vergleichen, die alle Maßnahmen schneller fallen lassen, weil hierzulande drei- bis viermal so viele Ältere nicht geimpft seien. Lauterbach wiederholte aus diesem Grund sein Plädoyer für eine allgemeine Impfpflicht zur Vorbereitung auf mögliche neue Infektionswellen im Herbst.

Auch der Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts, Lars Schaade, warnte vor zu schnellen Lockerungen. Die Daten deuteten zwar darauf hin, dass der Höhepunkt der Omikron-Welle überschritten sei, was die Neuinfektionen angehe. Auf den Intensivstationen sei der Scheitelpunkt aber noch nicht erreicht. Man müsse die Situation weiter ernst nehmen, unterstrich Schaade. Es sei insbesondere wichtig, in Krankenhäusern und Pflegeheimen Schutzmaßnahmen weiter aufrecht zu halten, um Vulnerable nicht zu gefährden. Welche Maßnahmen über den 20. März hinaus erhalten bleiben, muss der Bundestag noch entscheiden.