Dresden - Im Freistaat Sachsen gibt es heftigen Streit um das Erbe der Berliner Künstlerin Käthe Kollwitz. Zu DDR-Zeiten erinnerte man sich gerne an sie. In nahezu jedem Ort gab es eine Käthe-Kollwitz-Schule oder einen Käthe-Kollwitz-Kindergarten. Sie wurde in der DDR als Kriegsgegnerin und Antifaschistin gefeiert. Doch diese Haltung hat sich zum Missfallen einiger geändert. Seit dem 22. April 1995 wird im Moritzburger Rüdenhof bei Dresden, dem einzig erhalten gebliebenen authentischen Aufenthaltsort, ihre Biografie lebendig gehalten. Hier starb sie 1945. Doch die Finanzierung der Gedenkstätte ist langfristig nicht gesichert. Der Landkreis Meißen und die Gemeinde Moritzburg debattierten schon über die Schließung mit dem Argument, das Geld sei nicht da. Und außerdem sei Käthe Kollwitz ja Berlinerin, so die Kritiker. Für die nächste zwei Jahre fließen jetzt Fördermittel. Wie es danach weitergeht, ist noch nicht ganz geklärt.

Wladimir Kaminer und Andreas Dresen haben unterschrieben

Namhafte Künstler, Schriftsteller und Musiker aus ganz Deutschland setzen sich für den langfristigen Erhalt ein. Sie haben jetzt einen offenen Brief an Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) verfasst, um die Gedenkstätte in Moritzburg am Leben zu erhalten und die Finanzierung dauerhaft zu sichern. Unterzeichner sind unter anderem der Schriftsteller Wladimir Kaminer, der Regisseur Andreas Dresen und die Schauspielerin Ulrike Krumbiegel. Doch das sind nur einige Prominente. Die Unterzeichner sehen auch das Land Sachsen bei der Finanzierung in der Pflicht. Das Schreiben ging ebenso an fast alle kulturpolitischen Sprecher des Sächsischen Landtags, an den Landtagspräsidenten Matthias Rößler und den Bürgermeister von Moritzburg, Jörg Hänisch.

In dem Brief heißt es: „Wir appellieren an Sie, die Verantwortlichen in Kultur und Politik, über Finanzregelungen und Parteigrenzen hinweg, die drohende Schließung der Gedenkstätte abzuwenden und für ihren dauerhaften Erhalt zu sorgen.“

Die Unterzeichner erinnern, dass auf Betreiben des damaligen Kanzlers Helmut Kohl (CDU) in der neuen Wache in Berlin 1993 die Skulptur „Mutter mit totem Sohn“ aufgestellt wurde, als Mahnmal. Warum also jetzt eine Gedenkstätte in Sachsen dichtmachen?

„Wie Sie wissen, galt unter der Herrschaft der Nationalsozialisten die Kunst der Käthe Kollwitz als ‚entartet‘. Ihre Werke wurden aus öffentlichen Sammlungen und Ausstellungen entfernt. Die Erinnerung an einen Menschen mit diesem politischen Schicksal darf im Gedächtnis heutiger Generationen nicht erlöschen“,  schreiben die Unterzeichner weiter. Eine der Unterzeichnerinnen bleibt in dieser Metapher und sagt: Die Politik kümmert sich immer nur um die Leuchttürme in der Kultur.  

Der Brief wurde erst vor wenigen Tagen verschickt. Einen Eindruck bei den Empfängern dürfte er schon mal hinterlassen haben.