Berlin - Der Deutsche Lehrerverband geht nicht davon aus, dass es nach den Weihnachtsferien an den Schulen in Deutschland wieder wie gewohnt weitergeht. „Auch wir rechnen nicht damit, dass vollständiger Präsenzunterricht ab dem 11. Januar wieder möglich ist“, sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger der Deutschen Presse-Agentur. Abhängig vom Corona-Infektionsgeschehen werde es weiterhin eine Phase des Wechselunterrichts mit halbierten Klassen, Hybridunterricht oder auch Phasen des reinen Distanzunterrichts geben müssen.

Meidinger forderte einen bundesweit gültigen Hygienestufenplan, der klar regele, ab welchem regionalem Inzidenzgeschehen an Schulen welche Gesundheitsschutzmaßnahmen ergriffen werden müssten, von der Maskenpflicht im Unterricht über die Halbierung von Klassen bis hin zu Unterricht zu Hause. „Nur so bekommen wir auch wieder mehr Berechenbarkeit in den Schulbetrieb und Schulleitungen könnten sich bei steigenden Infektionszahlen rechtzeitig auf die nächste Stufe einstellen.“ Bisher regeln das die Bundesländer selbst in eigenen Vorgaben für ihre Schulen.

Der Lehrerverbandspräsident rief die Bildungspolitik zudem zu einer Kraftanstrengung bei der Digitalisierung auf und forderte schnelles Internet an allen Schulen und eine „in allen Ländern voll funktionsfähige Lernplattform (...), die auch für Videokonferenzsysteme und Echtzeitchatrooms ausgelegt ist“. Meidinger erneuerte außerdem seinen Vorschlag für ein zusätzliches Schuljahr wegen der Corona-Krise: „Es wird nach meiner festen Überzeugung viele Schülerinnen und Schüler geben, denen man die Chance auf ein freiwilliges Zusatzjahr einräumen muss, um ihre Chance auf einen erfolgreichen Schulabschluss zu wahren.“

Wie es an den Schulen in Deutschland nach dem 10. Januar weitergeht, ist bisher noch weitgehend offen. Die Kultusminister der Länder wollen darüber am 4. Januar beraten. Einen Tag später werden Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder bei ihrer nächsten Gesprächsrunde zum weiteren Vorgehen in der Corona-Krise voraussichtlich dazu Beschlüsse fassen.