„Shit happens“: Klimaaktivist verhöhnt Unfallopfer

Die „Letzte Generation“ behindert die Rettung einer lebensgefährlich verletzten Frau. Ein Aktivist twittert „shit happens“. Nun entschuldigt er sich.

Einsatzfahrzeuge von Polizei und Feuerwehr stehen an der Bundesallee in Berlin-Wilmersdorf, wo eine Radfahrerin lebensgefährlich verletzt wurde.
Einsatzfahrzeuge von Polizei und Feuerwehr stehen an der Bundesallee in Berlin-Wilmersdorf, wo eine Radfahrerin lebensgefährlich verletzt wurde.dpa/Paul Zinken

Dass nach einem schweren Verkehrsunfall die Rettung einer verletzten Radfahrerin durch die Klimaaktivisten der „Letzten Generation“ behindert wurde, sorgt weiter für Empörung. Ein Klimaaktivist relativierte den Unfall vom Montag auf Twitter. Das empfinden User als Verhöhnung der lebensgefährlich verletzten Frau.

Der Aktivist hat seinen Tweet inzwischen gelöscht. Es existieren aber Screenshots. Der Mann schrieb: „Scheiße aber: nicht einschüchtern lassen. Es ist Klimakampf, nicht Klimakuscheln, & shit happens.“

Klimaaktivist: Formulierung war „dämlich und respektlos“

Später folgte eine Entschuldigung: Seine Formulierung sei „dämlich und respektlos“ gewesen, schrieb der Aktivist in einem späteren Tweet. Er entschuldige sich „aufrichtig“ für die Formulierung und hoffe, dass die Radfahrerin „durchkomme“.

Am Montag war in Berlin-Wilmersdorf die Radfahrerin unter einen Betonmischer geraten. Das Bergefahrzeug kam wegen der Autobahnblockaden schlecht durch. Der Einsatz wurde dadurch behindert.

Auch Bundeskanzler Olaf Scholz hat im Zusammenhang mit Straßenblockaden von Klimaaktivisten an die Beteiligten appelliert, nicht zur Gefährdung anderer Menschen beizutragen. Sein Appell könne nur sein, „dass man bei all den Entscheidungen, die man trifft für politische Kundgebungen (...) immer bedenkt, dass das nicht zur Gefährdung anderer beiträgt“, sagte Scholz am Montag bei einer Pressekonferenz im Kanzleramt.

Berliner Landesregierung ermahnt Aktivisten

Die Berliner Landeregierung hat die Aktivisten ermahnt, keine Menschenleben zu gefährden. „Klimaproteste dürfen keine Menschen in Gefahr bringen“, erklärte Verkehrssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) am Dienstag. Wenn dies so gewesen sei, dann sei das „schlicht entsetzlich“ und dürfe nicht wiederholt werden.

Es sei zu klären, inwieweit die Aktivisten Schuld daran hätten, dass einer von einem Betonmischer überrollten Radfahrerin nicht schneller habe geholfen werden können, forderte Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) bereits am Montagabend. Dies sei die Aufgabe von Polizei und Gerichten. Grundsätzlich sei die Gefährdung von Menschenleben „durch nichts zu rechtfertigen“, erklärte Giffey weiter.

AfD-Politiker Brandner nennt Aktivisten „Klimaterroristen“

Die Berliner Oppositionsparteien kritisierten die Klimaaktivisten scharf. „Das Leben einer jungen Frau steht auf dem Spiel, weil Klimachaoten die Berliner Straßen blockieren“, erklärte der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Frank Balzer. Die Justiz müsse mit all ihren Möglichkeiten durchgreifen. Das Strafmaß müsse ausgeschöpft werden.

Der Landesvorsitzende der Berliner FDP, Christoph Meyer, nannte die Aktivisten „kriminelle Straftäter“. Das Tolerieren durch Grüne und Linke müsse ein Ende haben – Justizsenatorin Lena Kreck (Linke) dürfe „nicht länger wegschauen“.

Der stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Stephan Brandner nannte die Demonstrierenden „Klimaterroristen“. Es sei nun „ein hartes Durchgreifen gefragt“, erklärte er.

Olaf Scholz über Aktionen sehr bedrückt

„Ich glaube, dass wir kritische Haltung, kritischen Protest, akzeptieren müssen. Dass die Aktionen jetzt nicht auf sehr weitreichenden Beifall gestoßen sind, ist auch offensichtlich“, sagte Scholz. „(Auf) meinen auch nicht“, schob er hinterher. Das Gleiche gelte auch mit Blick auf Kunstwerke, die im Zuge von Protestaktionen beschädigt werden. „Ich bin sehr bedrückt darüber, was da passiert, und sehr froh, dass es jetzt nicht dazu gekommen ist, dass tatsächlich Kunst, die ja dann nicht wiederherstellbar gewesen wäre, dabei dauerhaft zu Schaden gekommen ist“, sagte Scholz. (mit dpa)