Berlin - David Dushman, der 1945 mit einem Panzer den Zaun des NS-Konzentrations- und -Vernichtungslagers niedergerissen hatte, ist im Alter von 98 Jahren gestorben. Er war der letzte überlebende Befreier von Auschwitz. Dushman, der später als Fechttrainer in der Sowjetunion große Erfolge feierte, sei am Samstag in seiner Wahlheimat München gestorben, teilte das Internationale Olympische Komitee mit.

Dushman war zur Befreiung erst 21 Jahre alt

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München, Charlotte Knobloch, erklärte, sie habe mit „großer Trauer“ vom Tod Dushmans erfahren. Er habe an vorderster Front gestanden, „als 1945 die Mordmaschinerie der Nationalsozialisten zerschlagen wurde“. Als „Held von Auschwitz“ habe er „unzählige Menschenleben“ gerettet, fügte Knobloch hinzu. „Mit ihm verlieren wir einen tapferen, ehrlichen und aufrichtigen Mann und ein Ehrenmitglied unserer Kultusgemeinde“.

Dushman war 21 Jahre alt, als er als Soldat der Roten Armee am 27. Januar 1945 den Elektrozaun des Konzentrationslagers niederwalzte. „Wir wussten kaum etwas von Auschwitz“, sagte er 2015 in einem Interview der Süddeutschen Zeitung.

Nach dem Krieg begann er eine Karriere als Fechter

Er habe damals „überall Skelette“ gesehen, erinnerte sich Dushman. „Aus den Baracken wankten sie, zwischen den Toten saßen und lagen sie. Schrecklich. Wir warfen ihnen alle unsere Konserven zu und fuhren sofort weiter, um die Faschisten zu verjagen“. Erst nach dem Krieg habe er vom ganzen Ausmaß der Gräueltaten in Auschwitz erfahren. Das KZ Auschwitz-Birkenau war das größte deutsche Vernichtungslager im Zweiten Weltkrieg. In dem Lagerkomplex wurden mehr als eine Million Menschen ermordet, die meisten von ihnen in den Gaskammern.

Dushman war einer von 69 Soldaten seiner Einheit, die den Krieg überlebten. Später startete er eine Karriere als Fechter und führte die sowjetische Damen-Nationalmannschaft als Trainer zu zahlreichen Erfolgen. Dushman lebte mehrere Jahre in Österreich, bevor er 1996 nach München umzog.