Leverkusen - Bei einer verheerenden Explosion in einer Müllverbrennungsanlage im Chempark Leverkusen sind mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen. Mehrere Beschäftigte wurden am Dienstagabend noch vermisst. „Die Suche nach den Vermissten läuft weiter auf Hochdruck. Leider schwindet die Hoffnung, sie lebend zu finden, zusehends“, sagte Chempark-Leiter Lars Friedrich laut Mitteilung. Die Zahl der Verletzen ist auf 31 gestiegen. Fünf von ihnen werden intensivmedizinisch versorgt, wie die Kölner Polizei mitteilte.

Wie viele Menschen nach dem Unglück noch gesucht werden, war zunächst nicht genau klar. In der Mitteilung des Betreibers vom Abend hieß es: „Vermisst werden noch fünf Mitarbeiter*innen, die Suche nach ihnen läuft weiterhin auf Hochdruck.“

Gewaltige Rauchwolke, heftige Erschütterung

Die gewaltige Explosion, die laut Zeugenaussagen noch im Umkreis von gut zehn Kilometern zu hören war, ereignete sich nach Angaben des Betreibers gegen 9.30 Uhr im Tanklager des Entsorgungszentrums Bürrig. Die Ursache war zunächst unklar. Eine gewaltige Rauchwolke stieg auf. Die Erschütterung war derart heftig, dass sogar mehrere Stationen des Geologischen Dienstes Nordrhein-Westfalen sie messen konnten. Unter anderem sei sie an einer Station im Hespertal registriert worden – rund 40 Kilometer entfernt.

Nach der Explosion brannte das Tanklager mit Lösungsmitteln stundenlang, ehe das Feuer am Mittag unter Kontrolle und weitgehend gelöscht war. „Die Löscharbeiten mussten warten, bis eine Stromleitung vom Netz getrennt war“, erklärte die Stadt. Sogar die Feuerwehr im rund 60 Kilometer entfernten Dortmund warnte vor möglichen Geruchsbelästigungen.

Laut dem nordrhein-westfälischen Innenminister Herbert Reul (CDU) bestand auch bei einem zweiten Tank Explosionsgefahr. Der Tank habe 100.000 Liter hochentzündliche, giftige Abfallstoffe enthalten, sagte Reul am Dienstag. Die Feuerwehr habe die Gefahr aber bannen können.

In Büring und Opladen wurden als Vorsichtsmaßnahmen Spielplätze geschlossen. Anwohner in Opladen und Büring sollen vorerst kein Gemüse oder Obst aus dem Garten essen und beim Arbeiten im Garten Handschuhe tragen. Eine Einschätzung, ob in den Niederschlägen nach dem Brand „relevante Stoffe“ zu finden seien, sei nach Auskunft des Landesumweltamtes (LANUV) noch nicht möglich, erklärte die Stadt am Dienstag.

Die Leverkusener werden aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Die Menschen sollen nicht ins Freie gehen. Autofahrer werden gebeten, Fahrzeugfenster geschlossen zu halten und die Lüftungen auszustellen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe ordnete das Ereignis in die Warnstufe „Extreme Gefahr“ ein.

Unklar, ob giftige Substanzen freigesetzt wurden

Noch ist nicht klar, ob bei dem Brand giftige Substanzen freigesetzt worden sind. Die Analyse laufe noch, sagte der Leiter des Chemparks Lars Friedrich bei einer Pressekonferenz. Deshalb schließe er nichts aus. Die Warnlage sei noch nicht komplett zurückgenommen worden. Die Menschen im Umfeld des Chemparks seien weiter zur Vorsicht aufgerufen.

Zahlreiche Einsatzkräfte der Werksfeuerwehr, der Polizei sowie Luftmesswagen waren bei dem Unglück im Einsatz. Erste Luftmessungen der Umweltschutzeinheiten im Kölner Norden ergaben laut Feuerwehr, dass keine Gefahr für die Bevölkerung bestand. Die Messungen würden fortgesetzt. Gleichwohl wurden Autofahrer in der Region zunächst aufgefordert, Fahrzeugfenster geschlossen zu halten.

Chemieunfall in Leverkusen: Mehrere Autobahnen vorübergehend gesperrt

Wegen der „größeren Schadenslage“ wurden zahlreiche Autobahnen vorübergehend gesperrt. Von der Vollsperrung betroffen waren das Autobahnkreuz Leverkusen-West, die A1 zwischen dem Autobahnkreuz Leverkusen und Köln-Nord, die A3 zwischen dem Autobahnkreuz Leverkusen und dem Autobahndreieck Langenfeld sowie die A59 zwischen Autobahnkreuz Monheim-Süd und Autobahnkreuz Leverkusen-West, wie die zuständige Autobahn GmbH mitteilte. Sofort eingestellt wurden auch die Arbeiten an der unmittelbar angrenzenden Baustelle der Leverkusener Rheinbrücke. Selbst die Rheinfähre „Fritz Middelanis“ stellte den Betrieb zwischen Köln-Langel und Leverkusen-Hitdorf für mehrere Stunden ein.

Der Chempark ist nach eigenen Angaben einer der größten Chemieparks Europas. An den drei Standorten Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen sind über 70 Firmen angesiedelt.