Der Lebensmittel-Lieferdienst Gorillas trennt sich von der Hälfte seines Verwaltungspersonals – 300 von 600 Angestellten müssen über alle Standorte hinweg gehen. Der Personalabbau betreffe die weltweite Hauptverwaltung, teilte das Berliner Start-up am Dienstag mit. Die Fahrerinnen und Fahrer, die sogenannten Rider, seien vom Stellenabbau nicht betroffen, betonte ein Sprecher. In welchem Land die meisten Mitarbeiter gehen müssen, war zunächst nicht bekannt.

Gorillas will eigenen Angaben zufolge mit dem Schritt vor allem Kosten sparen, um langfristig profitabel zu werden. Rasantes Wachstum sei somit kein strategisches Ziel mehr. Fortan soll sich das Geschäft auf die fünf Kernmärkte Deutschland, Frankreich, die Niederlande, Großbritannien und die USA konzentrieren. Bislang ist Gorillas darüber hinaus in Italien, Spanien, Dänemark und Belgien aktiv. Wie es auf diesen Märkten weitergehe, werde derzeit geprüft, hieß es.

Die Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des SPD-Arbeitnehmer*innenflügels, Cansel Kiziltepe, kritisierte den Strategiewechsel des Unternehmens. Sie befürchtet, dass das nicht die letzte Kündigungswelle bei Gorillas ist. Kiziltepe sagte der Berliner Zeitung: „Die angekündigten Entlassungen bei Gorillas sind wohl nur der Anfang einer riesigen Konsolidierungswelle in der Branche. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von Gorillas werden nun die kopflosen Expansionsfantasien der Unternehmensführung ausbaden müssen.“

Die Abgeordnete hatte sich schon im vergangenen Sommer für die Beschäftigten des Lieferdienstes eingesetzt. Die Kuriere und andere Angestellte waren immer wieder gegen schlechte Arbeitsbedingungen auf die Straße gegangen, hatten mit wilden Streiks die Arbeit niedergelegt. Die Auseinandersetzungen mit der Unternehmensführung gingen bis vors Arbeitsgericht, inzwischen haben die Beschäftigten einen Betriebsrat.

„Die Konsolidierungswelle bei den Express-Lieferdiensten wird früher oder später auch die Rider treffen“, sagte Kiziltepe. „Es fällt schwer, da nicht zynisch zu werden. Aber ein Start-up, welches von Risiko-Kapital-Investoren künstlich am Leben gehalten wird und die Ausbeutung der Fahrer*innen zum Geschäftsprinzip gemacht hat, hat in unserem Wirtschaftssystem nichts verloren. Meine Solidarität gilt den Tausenden Fahrerinnen und Fahrern, die täglich hart für Gorillas arbeiten.“

Das Gorillas Workers Collective warnte die Beschäftigten auf Twitter

Schon vor einigen Tagen hatte das Gorillas Workers Collective (GWC), das für die Proteste der Angestellten mobilisierte, in einem Aufruf geschrieben: „Wir beobachten, dass alle Lieferdienste versuchen, so viele Arbeiter wie möglich loszuwerden“. Aus rechtlichen Gründen kann ein Unternehmen jedoch nur unter Auflagen mehr als 50 Angestellte auf einmal kündigen. Das GWC vermutete deshalb: „Deshalb versuchen sie [die Unternehmen, Anm. d. Red.], Arbeiter dazu zu bringen, von selbst zu gehen: Durch Belästigung und unfairer Behandlung.“

Bei Gorillas können Kundinnen und Kunden per App Supermarktprodukte bestellen. Das Unternehmen verspricht die Lieferung innerhalb von zehn Minuten. Dafür betreibt Gorillas ein dichtes Netz an Warenhäusern in den Städten, von denen aus die Produkte ausgeliefert werden.