„Can’t Truss it“-Tweet: Wirtschaftsministerium spricht von „menschlichem Versehen“

Die britische Premierministerin tritt zurück – und vom offiziellen Twitter-Kanal des Bundeswirtschaftsministeriums geht ein wenig diplomatischer Post raus. Was ist da passiert?

Die scheidende britische Premierministerin Liz Truss
Die scheidende britische Premierministerin Liz Trussdpa/AP/Alberto Pezzali

Nach einer wackeligen sechswöchigen Amtszeit hat die britische Premierministerin Liz Truss am Donnerstag ihren Rücktritt verkündet – und damit auch eine Welle der Häme auf sich gezogen. Neben Boulevardblättern und politischen Kontrahenten hat nun jedoch ein denkbar ungewöhnlicher Akteur mit einem Scherz auf Kosten der scheidenden Regierungschefin für Irritation gesorgt: Robert Habecks Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK).

Unter einer BBC-Eilmeldung zum Rücktritt der Tory-Chefin antwortete der offizielle Twitter-Account des Ministeriums mit einem Link zu dem Song „Can’t Truss It“ der Hip-Hop-Gruppe Public Enemy. Binnen kurzer Zeit bekam das Bundeswirtschaftsministerium viele Hinweise darauf. Einige Nutzer kritisierten das gepostete Lied als unsachlich und undiplomatisch, manche fanden den Post dagegen sehr witzig. Mittlerweile hat das Ministerium den Tweet gelöscht. Aber wie kam es dazu? Hat sich hier womöglich ein Praktikant in der Presseabteilung einen bösen Scherz erlaubt? Oder kam es zur unglücklichen Verwechslung privater und geschäftlicher Twitter-Konten in der Bundesbehörde?

Das Wirtschaftsministerium reagierte am Donnerstag auf die zahlreichen Nachfragen irritierter User mit der nüchternen Feststellung, dass es sich bei dem Tweet um „keine offizielle Kommunikation des BMWK“ gehandelt habe. „Wir prüfen derzeit den Sachverhalt und danken allen, die uns darauf aufmerksam gemacht haben“, heißt es in einem – nun wohl offiziellen – Post des Ministeriums.

Am Freitag meldete sich das Wirtschaftsministerium erneut zu der Sache und erklärte, es habe sich um ein „menschliches Versehen“ gehandelt. Man arbeite daran, „künftig solche Fehler auszuschließen“.

Boris Johnson soll Comeback planen

Truss hatte am Donnerstagnachmittag ihren Rücktritt als Parteichefin der Konservativen und zugleich Premierministerin verkündet. Sie hält damit den Rekord für die kürzeste Amtszeit jemals. Grund für den vorzeitigen Abgang der 47-Jährigen war vor allem fehlender Rückhalt aus der eigenen Partei. „Angesichts der Situation erkenne ich an, dass ich das mir von der konservativen Partei übertragene Mandat nicht erfüllen kann“, sagte Truss am Donnerstag in ihrer vielleicht letzten Rede in der Downing Street.

Bereits vor dem Rücktritt von Skandalpremier Boris Johnson im Juli dieses Jahres steckten die Tories tief in einer Regierungskrise. Zahlreiche Minister kündigten oder wurden entlassen – so zuletzt Truss’ Innenministerin Suella Braverman und der Ex-Finanzminister Kwasi Kwarteng. Als Nachfolger der scheidenden Regierungschefin will Medienberichten zufolge auch „Partygate“-Premier Johnson erneut kandidieren. Bis Ende Oktober wollen die Tories eine parteiinterne Entscheidung getroffen haben.