Lkw-Anschlag in Nizza: Alle Angeklagten schuldig gesprochen

Bei dem Terroranschlag kamen vor sechs Jahren 86 Menschen ums Leben. Die Mutter einer getöteten Berlinerin hält das Strafmaß für zu niedrig.

Bei dem Anschlag in Nizza kamen 86 Menschen ums Leben.
Bei dem Anschlag in Nizza kamen 86 Menschen ums Leben.dpa/Andreas Gebert

Im Terrorismusprozess zum Lkw-Anschlag in Nizza mit 86 Toten im Jahr 2016 sind alle acht Angeklagten für schuldig befunden worden. Zwei Freunde des von der Polizei erschossenen Täters wurden am Dienstag von einem Pariser Gericht wegen Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung zu jeweils 18 Jahren Haft verurteilt. Die übrigen Angeklagten wurden unter anderem wegen Waffenhandels zu Haftstrafen zwischen zwei und zwölf Jahren verurteilt.

Der 31 Jahre alte Tunesier Mohamed Lahouaiej-Bouhlel, der mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge auf der Uferpromenade von Nizza gefahren war, habe „so viele Menschen wie möglich töten wollen“, sagte der Richter. „Das Gericht ist überzeugt, dass der Anschlag am 14. Juli ein terroristischer Akt war.“ Der Prozess habe gezeigt, dass der Täter zwar ein Persönlichkeitsproblem gehabt habe, aber nicht psychisch krank gewesen sei.

Attentäter wurde von der Polizei getötet

Am 14. Juli 2016, dem französischen Nationalfeiertag, war der Tunesier Mohamed Lahouaiej Bouhlel auf der Flaniermeile Promenade des Anglais in Nizza mit einem tonnenschweren Lastwagen in eine Menschenmenge gerast. Er schoss auch auf Menschen. Letztlich gab es 86 Todesopfer, darunter zwei Schülerinnen und eine Lehrerin aus Berlin. Mehr als 200 Menschen wurden verletzt. Der Gewalttäter wurde nach der Tat erschossen. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Anschlag für sich. Laut Staatsanwaltschaft war dieses angebliche Bekenntnis trotz der Radikalisierung des Täters reiner Opportunismus, eine Verbindung zum IS habe es nicht gegeben.

Seit September rollte ein Spezialgericht in Paris den Anschlag in Nizza auf. Mehr als 2000 Angehörige und Opfer traten als Nebenklägerinnen und Nebenkläger auf. Über vier Wochen hinweg berichteten sie vor Gericht von ihren Erinnerungen an die Attacke und von den Spuren, die der Terrorakt bei ihnen hinterlassen hat.

Obwohl der Attentäter damals von der Polizei getötet wurde, waren die Vorbereitung seiner Tat sowie seine Gesinnung wesentlicher Bestandteil des Prozesses. Die Staatsanwaltschaft kam zu dem Schluss, dass der Mann weitaus mehr als bloße Neugier für den IS empfand. Er habe sich zahlreiche Köpfungsvideos der Terrormiliz angesehen, intensive – irgendwann tägliche – Recherchen betrieben, etwa zum Geschehen in Syrien und dem Irak, zu Terroraufrufen, zum IS und zu Al-Kaida wie auch zum Aufputschmittel Captagon, das als Dschihadisten-Droge gilt. „Der Täter wollte (dem Anschlag) sehr eindeutig eine dschihadistische Dimension geben“, hieß es im Schlussplädoyer der Anklage.

Mutter einer in Nizza getöteten Berlinerin hält das Strafmaß für zu niedrig

Die Mutter einer bei dem Anschlag in Nizza getöteten Lehrerin aus Berlin hat enttäuscht auf die Verurteilung der beiden Hauptangeklagten zu jeweils 18 Jahren Haft reagiert. „Ich hätte mir härtere Strafen gewünscht“, sagte Barbara Bielfeldt der AFP am Dienstag in Paris. Ihre 29 Jahre alte Tochter war mit ihren Schülerinnen und Schülern auf Klassenfahrt in Nizza gewesen.

Der Prozess habe die Erinnerung an die schlimme Zeit nach dem Anschlag aufgewühlt, als sie in Nizza nach ihrer Tochter gesucht habe. „Das kann man nicht vergessen“, sagte sie. Auch nach drei Monaten des Prozesses seien Fragen offen geblieben, sie wisse noch immer nicht genau, wie ihre Tochter ums Leben gekommen sei.

Die Anwältin Alexandre de Brossin de Méré, die die Mutter einer der getöteten Schülerinnen aus Berlin vertreten hatte, zeigte sich zufrieden mit dem Urteil. „Es entspricht dem Ergebnis der dreimonatigen Verhandlungen“, sagte sie. „Das Gericht hat keine Ausreden zugelassen. Die Nähe der Angeklagten zum Täter und zu seinen Planungen ist dokumentiert und mit dem Urteil bewertet worden“, sagte sie. Die Staatsanwaltschaft hatte für die beiden Hauptangeklagten 15 Jahre Haft gefordert.