Washington - Der frühere General Lloyd Austin soll Medienberichten zufolge unter dem gewählten US-Präsidenten Joe Biden Verteidigungsminister werden. Biden wolle den 67-Jährigen zum Pentagon-Chef machen und den Posten damit erstmals in der US-Geschichte mit einem Afroamerikaner besetzen, berichteten der TV-Sender CNN, das Magazin Politico und die New York Times. Bidens Team bestätigte die Personalie zunächst nicht.

Biden hatte zuvor erklärt, seine Entscheidung für die Besetzung des Schlüsselpostens sei gefallen und werde am Freitag verkündet. Den Berichten zufolge entschied er sich gegen die frühere Verteidigungs-Staatssekretärin Michele Flournoy, die bislang als Favoritin für die Leitung des Pentagons galt.

Austin arbeitete bei Waffenkonzern 

Austin ist Absolvent der Militärakademie West Point, diente im Irak und in Afghanistan und war 2003 in führender Position am völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der US-Armee gegen den Irak beteiligt. Unter Barack Obama wurde er zum Chef des US-Zentralkommandos Centcom ernannt. 2016 ging Austin in den Ruhestand und zog in den Verwaltungsrat des umstrittenen Waffenkonzerns Raytheon ein. Er müsste wie die anderen Kandidaten für Bidens Kabinett vom Senat bestätigt werden.

Kongressabgeordnete und Sicherheitsexperten hatten sich gegen eine mögliche Nominierung Austins ausgesprochen, da er vor weniger als sieben Jahre aus dem Militärdienst ausgeschieden ist. Ein Gesetz sieht aber vor, dass frühere Militärangehörige erst nach Ablauf dieser Frist die Leitung des Pentagons übernehmen dürfen.

Austin wäre also auf eine Ausnahmeregelung angewiesen, von der 2016 auch Jim Mattis bei seiner Ernennung zum Verteidigungsminister profitierte. Mehrere Senatoren betonten damals aber, dass sich ein solcher Fall nicht wiederholen sollte. Der Abgeordnete Justin Amash (Libertäre Partei) erklärte auf Twitter, Austin sei aus dem gleichen Grund wie Mattis kein geeigneter Kandidat für den Posten des Verteidigungsministers. Biden wäre nach Amtsinhaber Donald Trump der zweite Präsident in Folge, der die Sieben-Jahres-Vorgabe missachte, kritisierte Amash.