Berlin - Cornelius Roemer, Physiker und Befürworter eines „konsequenten Lockdowns“, ist empört über die Aktion #allesdichtmachen. Bei Twitter hat er nun dazu aufgerufen, detaillierte Listen über die Schauspieler und deren Follower anzulegen. So möchte er unter anderem herausfinden, ob „jemand mit viel Geld“ hinter der Aktion steckt. Roemer befasst sich seit Monaten intensiv mit Zahlen rund um Corona, wurde unter anderem von n-tv, der Berliner Zeitung und dem Tagesspiegel zitiert.

In einem in der Zeit erschienen Beitrag stritt Roemer zudem mit einem Anwalt darüber, wie stark der Staat seine Bürger vor sich selbst schützen sollte. Der Physiker plädierte hier für die strenge Durchsetzung der Corona-Verordnungen.

Nachdem die Aktion #allesdichtmachen im Netz publik geworden war, begann Roemer mit einer Analyse. Zunächst schrieb er: „Ich habe alle Videos auf 2x Speed angeschaut. Es kommen immer wieder die gleichen Themen auf. Das ist garantiert zentral geskriptet worden. Extrem koordiniert das Ganze. Da muss eine PR-Firma dahinterstecken.“

Cornelius Roemer entdeckt ‚‚führende Twitter-Querdenker‘‘ und „Durchseucher“

Und weiter: „Unter den ersten Tweets mit den Triple-Hashtags waren führende Twitter-Querdenker und Durchseucher. Es ist also völlig klar, was das Ziel war und welche Gruppe als Amplifikator genutzt werden sollte. 19:01 ging es los.“

Dass hinter der Produktion „nur“ Bernd Wunder stecke, glaubt Cornelius Roemer nach eigenen Angaben nicht. Er schreibt dazu: „Das ist sicher zur Verschleierung.“ Weiter schreibt der Physiker: „Diese aufwendige Produktion muss ziemlich viel Geld gekostet haben. Es gab davor keinen Spendenaufruf. Der Typ, der im Impressum steht, ist ein Unbekannter. Wer steckt hier dahinter? Jemand mit viel Geld? Wurden die Schauspieler bezahlt? Alles ziemlich fischig.“

„Sie erstellen Abschusslisten und hetzen auf Menschen“

Im weiteren Verlauf äußert Roemer einen Verdacht: „Auffällige Retweets von Streeck-PR-Berater Wolfram Winter und Konsorten. Das wäre durchaus plausibel.“ Dann kommt der Tweet, in dem Roemer sich dafür ausspricht, Listen der beteiligten Schauspieler und von deren Followern zu erstellen: „Wer von den Schauspielern ist auf Twitter? Und wem folgen die da alle? Und von wem werden die gefolgt? Wenn jemand eine Liste machen will, hier drunter gecrowdsourct? @pkreissel kann sowas gut analysieren.“

Daraufhin bekommt der Mann teils heftigen Gegenwind. Ein User: „Mit Verlaub: Sind Sie eigentlich noch ganz dicht? Das ist ja völlig irre, was Sie hier betreiben.“ Auf die Gegenfrage des Physikers „Warum?“ antwortet Klensch: „Lesen Sie bitte noch einmal alle ihre Tweets, gehen Sie in sich und überlegen Sie, ob der eine oder andere nicht vielleicht einen Tick über das Ziel hinaus schießt. Lose guilt by association Analysen und crowd funding? Von Ihnen ist das enttäuschend.“

Andere User werden deutlicher. „Fragen Sie ernsthaft ‚Warum‘?!? In Physik in der ersten Reihe und in Geschichte geschlafen?“, heißt es an einer Stelle, ein weitere Userin schreibt: „Das fragen Sie noch? Sie erstellen Abschusslisten und hetzen auf Menschen. Sie sind fanatisch und drehen völlig frei.“

„Wer derartige Forderungen stellt, ist ein Fall für den Verfassungsschutz“

Auch außerhalb der sozialen Netzwerke wie Twitter oder Facebook sorgen die Bestrebungen von Cornelius Roemer nach Listen der Schauspieler und ihrer Follower sowie einer „Analyse“ besagter Listen für Empörung. Marcel Luthe, Spitzenkandidat der Freien Wähler Berlin, sagte der Berliner Zeitung am Sonntag dazu: „Die Freiheit von Meinung und Kunst ist zentraler Wert des Grundgesetzes. Wer derartige Forderungen stellt und sich damit auch datenschutzrechtlich auf dünnes Eis begibt, ist nicht nur kein Demokrat, sondern will offenbar die freiheitlich-demokratische Grundordnung beseitigen und ist ein Fall für den Verfassungsschutz.“

Cornelius Roemer ließ sich von der Kritik zunächst nicht beeindrucken. In einem am Wochenende abgesetzten Tweet schreibt er: „Da waren’s nur noch 35 von 53. Ein Drittel ist abgesprungen. Wird Zeit für ein Prognosemodell für die nächsten Tage. Leider fehlen da die Rohdaten: wann wie viele ausgeschieden sind.“

Liste der Twitter-Handles der Schauspieler nur als Recherchehilfe gedacht

Am Sonntag reagierte er dann. Bei Twitter schrieb Roemer: „Es ging mir nur darum, gemeinsam zu recherchieren, wer wirklich hinter dieser Aktion steckt. Meine Vermutung, dass es sich um eine zentral koordinierte Aktion handele, hat sich mittlerweile bestätigt.“ Und weiter: „Die ‚Liste‘ der Twitter-Handles der Schauspieler war lediglich als Recherchehilfe gedacht. Um auffällige Zusammenhänge herausfinden zu können. Zusammenhänge zu untersuchen und dabei Listen zu erstellen“ sei eine „ganz gewöhnliche journalistische Praxis“.

Sein Fehler sei gewesen, „bei manchen den Anschein zu erwecken, ich würde hier öffentliche ‚Feindeslisten‘ erstellen. Das war überhaupt nicht die Intention“. Anstatt sich „über meinen Rechercheaufruf zu empören, sollte die Berliner Zeitung lieber herausfinden, wer zur Kerngruppe der Aktion gehört, die es laut Mitinitiator dtrickb gibt“. Er werde sich „in Zukunft vorsichtiger Ausdrücken, um Missverständnissen vorzubeugen“.