Berlin - Manch einer hatte es sich gewünscht, die meisten wohl aber lieber vermieden oder zumindest in einer späteren Runde gesehen. Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin, dieser typische Pokal-Singsang muss seit Sonntag neu geschrieben werden. Denn: Berlin, Berlin, wir bleiben in Berlin, heißt es für Hertha BSC und den 1. FC Union. Losfee Peter Zimmermann, der Vorsitzende der SG Ahrtal, hatte fleißig mit seiner Hand in der Trommel gerührt und als fünfte Partie ausgerechnet das Hauptstadt-Duell gezogen.

Die neunte Kugel beinhaltete das Vereinslogo von Hertha, die zehnte das der Eisernen – mehr Berlin geht im Achtelfinale des DFB-Pokals nicht. Am 18. oder 19. Januar, den genauen Termin wird der DFB in den kommenden Wochen noch festlegen, werden sich beide Teams gegenüberstehen und ums Weiterkommen spielen. „Eine lange Reise ist es immerhin nicht, aber dennoch leider kein Heimspiel“, sagte Union-Manager Oliver Ruhnert in einer ersten Reaktion über das Gastspiel im Berliner Olympiastadion, „sicherlich werden sich viele auf ein Derby freuen und deswegen werden wir das Spiel wie jedes andere angehen und versuchen, eine Runde weiterzukommen.“

Etwas euphorischer klang da schon Pal Dardai. „Ein Traumlos und ein Feiertag für Berlin“, sagte der Hertha-Trainer, „das wäre auch ein schönes Finale gewesen. Wir werden alles daran setzen, dass das ein besonderer Abend für alle Herthanerinnen und Herthaner wird.“ Auch Arne Friedrich sprach von einem „tollen Los für unsere Stadt. Wir freuen uns sehr auf das Spiel gegen Union, wissen aber auch um ihre Qualität“, sagte der Sportdirektor. Gemeinsam mit den eigenen Fans im Rücken wolle man ins Viertelfinale einziehen. Berlin, Berlin, wir bleiben in Berlin möchte man bei Hertha BSC schon seit vielen Jahren mal vor dem Finale singen, scheiterte aber immer wieder am Erreichen des Endspiels im Olympiastadion.

In den vergangenen Wochen musste man sogar den Unionern dabei zuschauen, wie die in der Conference League im Olympiastadion ihre bisherigen Heimspiele absolvierten. Das nächste Mal bereits am Donnerstag, wenn die Eisernen in der eigentlichen Hertha-Heimstätte Feyenoord Rotterdam zum Rückspiel in der Gruppenphase empfangen. Bislang ist der 1. FC Union dort europäisch ungeschlagen, die Bilanz in den bislang zwei Bundesliga-Duellen mit dem Hausherren sieht da schon ernüchternder aus. Mit 4:0 und 3:1 hatte sich  Hertha BSC zweimal deutlich in den Heimspielen durchgesetzt. Das sorgte natürlich am Sonntagabend für weitestgehend Freude im blau-weißen Fanlager. Von „das Ding haben wir locker in der Tasche“ über „brutales Lospech für den 1. FC Union“ bis hin zu „danke lieber Fußballgott“ war da auf Twitter direkt nach der Auslosung zu lesen.

Nicht nur auf der Führungsebene, sondern auch bei der Anhängerschaft der Eisernen war man da etwas weniger begeistert. „Städtisches Olympiastadion im Januar 2022, der kälteste und zügigste Ort überhaupt. Na toll“, schrieb eine Twitter-Userin. „Nicht noch ein Spiel gegen die Tante. Zwei Duelle pro Saison reichen schon“, fand ein anderer Union-Anhänger und setzte dahinter ein weniger freundliches Emoji. Manch einer nahm es auch mit etwas Humor, schrieb: „Na immerhin kenne ich den mittlerweile den Weg ins Oly“ und spielte damit auf die Heimspiele in der Conference League an.

Im Januar aber werden die Unioner wieder der Gast sein, das Stadion in Blau leuchten. Klar ist natürlich, dass bei dieser Konstellation eine Mannschaft ihren Traum vom Pokalfinale an gleicher Stelle am Leben erhalten und der andere Berliner Klub danach nur noch Zuschauer sein wird.