Britischer Außenminister in Kiew: „Russland wird scheitern“

Laut dem britischen Geheimdienst sollen zahlreiche Männer bereits gefallen sein. Der Außenminister findet nun deutlichere Worte.

Russland, Stawropol: Ein russischer Rekrut übt auf einem Schießplatz während einer militärischen Trainingseinheit. Am 21.09.2022 kündigte der russische Präsident Putin eine Teilmobilisierung im Lande an.
Russland, Stawropol: Ein russischer Rekrut übt auf einem Schießplatz während einer militärischen Trainingseinheit. Am 21.09.2022 kündigte der russische Präsident Putin eine Teilmobilisierung im Lande an.dpa/Ivan Vysochinsky

Bei einem Besuch in Kiew hat der britische Außenminister James Cleverly der Ukraine Rettungswagen und weitere praktische Unterstützung versprochen. „Während der Winter hereinbricht, versucht Russland, die ukrainische Entschlossenheit durch brutale Angriffe auf Zivilisten, Krankenhäuser und Energieinfrastruktur zu brechen“, sagte der konservative Politiker am Freitag in Kiew der britischen Nachrichtenagentur PA zufolge. „Russland wird scheitern.“

Treffen mit Selenskyj: Cleverly sichert Hilfe zu

Cleverly traf in Kiew den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Von der Begegnung teilte er im Anschluss ein Foto auf Twitter. „Großbritannien unterstützt Sie mit Taten – nicht nur Worten“, schrieb er dazu an den Präsidenten gerichtet.

Konkret versprach der Minister 24 Rettungswagen sowie sechs gepanzerte Fahrzeuge. Außerdem will London den Aufbau von zerstörten Schulen und Schutzräumen sowie andere Programme mit drei Millionen Pfund (rund 3,5 Mio. Euro) unterstützen.

Erst vor wenigen Tagen war der britische Premier Rishi Sunak erstmals nach Kiew gereist und hatte weitere Waffen und Gelder versprochen. Die neue Regierung tritt damit in die Fußstapfen von Ex-Premier Boris Johnson, der selbst mehrfach in die Ukraine gereist war. Auch Kurzzeit-Premierministerin Liz Truss galt als eiserne Verfechterin der Ukraine.

London: Etliche russische Reservisten nach Teilmobilisierung gefallen

Nach der russischen Teilmobilisierung ist nach Einschätzung britischer Geheimdienste eine hohe Zahl an eingezogenen Reservisten im Ukraine-Krieg gefallen. Viele der Verpflichteten würden trotz chronischer gesundheitlicher Einschränkungen in gefährliche Missionen geschickt, hieß es am Freitag im täglichen Kurzbericht des britischen Verteidigungsministeriums. Über ihre jeweilige militärische Erfahrung, Ausbildung und Ausrüstung herrsche immer wieder Verwirrung.

Russland: Protest von Angehörigen möglich

Unter anderem in der Region Donezk, rund um die Stadt Bachmut, seien mobilisierte Reservisten wohl in hoher Zahl gefallen, hieß es von den Briten. Das gleiche gelte auch für Soldaten, die in der Region Luhansk Grabensysteme hätten ausheben müssen, während sie unter schwerem Artilleriefeuer standen. Es müsse dem Kreml Sorgen bereiten, dass eine zunehmende Zahl an Familien der Reservisten bereit sei, gegen die Zustände, unter denen ihre Angehörigen dienen, zu protestieren und sich notfalls deswegen verhaften zu lassen.

Das britische Verteidigungsministerium veröffentlicht seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine Ende Februar unter Berufung auf Geheimdienstinformationen täglich Informationen zum Kriegsverlauf. Damit will die britische Regierung sowohl der russischen Darstellung entgegentreten als auch Verbündete bei der Stange halten. Moskau wirft London eine Desinformationskampagne vor.