Seitdem das russische Schlachtschiff „Moskwa“ gesunken ist, schlagen immer mehr Raketen in Lwiw und Kiew ein. Es verdichten sich Hinweise, dass diese Angriffe Racheaktionen der Russen für den Verlust ihres Flaggschiffs im Schwarzen Meer sein könnten. So zerstörten die russischen Streitkräfte am Freitag eine Fabrik, in der angeblich eine der Neptun-Raketen hergestellt wurde, mit denen das Kriegsschiff im Schwarzen Meer versenkt worden sein soll. Am Sonnabend schlugen angeblich russische Raketen in einer Fabrik für militärische Ausrüstungsgegenstände im Bezirk Darnytskyi in der Hauptstadt ein. „Sie lassen uns für die Zerstörung der ‚Moskwa‘ bezahlen“, sagte Andrei Sizov, der 47-jährige Besitzer einer nahe gelegenen Holzwerkstatt, gegenüber AFP. Am Montagmorgen gab es erneut Raketenangriffe auf Lwiw im Westen der Ukraine, bei denen mindestens sieben Menschen getötet worden sein sollen, darunter ein Kind.

Die vermehrten Angriffe kommen zu einer Zeit, in der auch erste Bewohner Kiews wieder in ihre Hauptstadt zurückkehren wollen. Denn nach zwei Wochen relativer Ruhe zieht es Kiewer Bürger zurück. Doch bereits am Sonnabend warnte Bürgermeister Vitali Klitschko, dass die erneuten Luftangriffe bedeuteten, dass aktuell nicht der richtige Zeitpunkt für eine Rückkehr sei.

Nach den fünf russischen Raketenangriffen in Lwiw sind seit dem Morgen Rettungskräfte am Einsatzort, erklärte der Bürgermeister der Stadt, Andrij Sadowy, im Messengerdienst Telegram. Ein Anwohner im Südwesten von Lwiw berichtete der Nachrichtenagentur AFP, er habe dicke graue Rauchwolken gesehen, die hinter Wohnhäusern in den Himmel gestiegen seien.

Lwiw, das ehemalige Lemberg, galt immer wieder durch seine Lage im tiefen Westen der Ukraine als relativ sicher. Dennoch ist die Stadt bereits mehrfach zum Ziel russischer Luftangriffe geworden. Das russische Militär beschoss dabei vor allem militärische Objekte in der Nähe der Stadt, unter anderem einen Flughafen.