Berlin - Binnen einer Stunde mussten in der Nacht zu Dienstag SEK-Einheiten wegen Bedrohungslagen nach Biesdorf und Hellersdorf ausrücken. Zuvor hatte es bereits am Montagabend einen SEK-Einsatz in Gesundbrunnen gegeben. In allen drei Fällen bedrohten Männer Frauen, mit denen sie zusammenleben oder zusammengelebt hatten.

Ein 33-Jähriger soll in der Altentreptower Straße in Biesdorf gegen Mitternacht bei seiner Ex-Partnerin angerufen und ihr am Telefon mit Erschießung gedroht haben. Das teilte die Polizei am Dienstag mit. Während die 29-jährige Freundin den Polizeinotruf verständigte, rief der Verdächtige dort selbst an und erklärte, im Besitz eines Messers und einer Schusswaffe zu sein. Kurz darauf durchsuchten Einsatzkräfte des SEK seine Wohnung, konnten aber keine Gegenstände finden. Der Mann wurde festgenommen und kam in ein Polizeigewahrsam. Bei einer Atemalkoholmessung wurde ein Wert von knapp über drei Promille bei ihm festgestellt. Nach den polizeilichen Maßnahmen wurde er zunächst auf freien Fuß gesetzt. Die Ermittlungen wegen Bedrohung dauern an.

Etwa eine Dreiviertelstunde später kam es zum nächsten SEK-Einsatz in Hellersdorf im Oschatzer Ring: Ein anderer 33-Jähriger suchte nach Polizeiangaben seine ehemalige Freundin an ihrer Wohnung auf. Er soll sie mit einer Schusswaffe bedroht und von der 49-Jährigen verlangt haben, dass sie eine gegen ihn erstattete Anzeige zurückzieht. Anschließend soll er ihr noch mit der Faust ins Gesicht geschlagen und sich dann entfernt haben. Einige Zeit später erschienen die SEK-Beamten bei dem Mann und durchsuchten seine Wohnung im Oschatzer Ring. Die zuvor eingesetzte Waffe konnte nicht gefunden werden. Bei der Festnahme, die von einem Polizeihund unterstützt wurde, erlitt der 33-Jährige eine Bissverletzung am Bein sowie ein Hämatom am Kopf. Der Rettungsdienst brachte ihn in eine Klinik, wo er zur stationären Behandlung aufgenommen wurde. Der 33-Jährige muss sich wegen Nötigung, Körperverletzung und Bedrohung mit Waffen verantworten.

In der Steegerstraße in Gesundbrunnen hatte es bereits am Montagabend einen SEK-Einsatz gegeben, über den auch die Berliner Zeitung berichtete. Ein 35-Jähriger hatte seine 24-jährige Ehefrau und einen Familienangehörigen mit einer Schreckschusswaffe bedroht. Der Tatverdächtige wurde in einer Klinik stationär aufgenommen, wo er am Dienstag noch psychiatrisch untersucht wurde. 

Entsetzte Reaktionen auf Gewalttaten am Dienstag

Benedikt Lux, innenpolitischer Sprecher der Berliner Grünen, reagierte bestürzt auf die Gewaltserie. Der Berliner Zeitung sagte er: „Das ist eine erschreckend neue Qualität der Gewalt und Brutatlität gegen Frauen. Frauenfeindlichen Straftaten müssten genau untersucht werden.“ Bei der Frage, ob die Taten eventuell mit dem Corona-Lockdown zu haben, will Lux sich nicht festlegen. „Gewalt ist durch nichts zu entschuldigen. Und aus meiner Sicht hatte diese Männer schon im Vorfeld Probleme. Sie hätten den Behörden früher auffallen müssen. Hier hätte vielleicht früher interveniert werden müssen“, so Benedikt Lux.

Die frauenpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion Maren Jasper-Winter forderte noch mehr Hilfe in der Gewaltprävention. Gerade in Lockdown-Zeiten brauchen es mehr erreichbare Angebote für bedrohte Frauen „Es ist furchtbar, was die Frauen und ihre Familien erleben mussten“, sagte die FDP-Politikerin der Berliner Zeitung