Gao/Berlin - Bei einem Bombenanschlag auf eine Bundeswehr-Patrouille im westafrikanischen Mali sind nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur mindestens zwölf deutsche Soldaten verletzt worden. Es habe einen Selbstmordanschlag gegeben. Wie Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer mitteilte, wurden alle Verletzten per Hubschrauber nach Gao evakuiert. Sie sollten in der Nacht zu Samstag zur weiteren Behandlung nach Deutschland ausgeflogen werden. Zudem sollen alle deutschen Soldaten von dem angegriffenen Stützpunkt ins Feldlager der Bundeswehr nach Gao gebracht werden. 

Der Anschlag verdeutliche „auf sehr dramatische und schreckliche Art und Weise“, in welche Gefahren sich Bundeswehrsoldaten bei der Erfüllung ihrer Pflicht begeben, sagte die Ministerin. Kramp-Karrenbauer verwies darauf, dass die Soldatinnen und Soldaten in ihrem Eid schwören, das Land notfalls auch unter Einsatz ihrer Gesundheit oder gar ihres Lebens zu verteidigen. Der Anschlag von Mali zeige, dass dies „nicht nur leere Worte sind – sie sind Realität“.

Von den drei Schwerverletzten waren nach Angaben der Verteidigungsministerin zwei in „stabilem“ Zustand, ein dritter werde „zur Stunde“ operiert. Neben den zwölf verletzten Deutschen seien noch drei weitere UN-Soldaten verletzt worden, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus UN-Kreisen. Nach Angaben des belgischen Verteidigungsministeriums ist ein belgischer Soldat unter den Verletzten. In ersten Berichten war von bis zu 15 verletzten Bundeswehrsoldaten die Rede gewesen.

Nach dpa-Informationen erfolgte der Angriff am Morgen gegen 6.30 Uhr (Ortszeit) und richtete sich gegen die stehenden Fahrzeuge. Wegen der großen Zahl der Verletzten mussten auch ein französischer Militärhubschrauber und ein Helikopter der Vereinten Nationen zum Rettungseinsatz kommen. Zudem war der Rettungshubschrauber eines zivilen Vertragspartners im Einsatz.

Mali: Islamistische Terrorgruppen bedrohen Friedensprozess

Derzeit sind rund deutsche 900 Soldaten an dem UN-Einsatz beteiligt. Die Obergrenze liegt bei 1100 Männern und Frauen aus Deutschland. Die UN-Mission Minusma soll den Friedensprozess in Mali unterstützen. In dem Land sind islamistische Terrorgruppen aktiv. 2013 schlug ein massiver französischer Militäreinsatz ihren Vormarsch auf die Hauptstadt Bamako zurück. Zuletzt gab es zwei Militärputsche in dem Land.

„Heute Morgen war eine temporäre Einsatzbasis der Minusma nahe des Dorfes Ichagara in der Gemeinde Tarkint, Region Gao, das Ziel eines Autobombenangriffs“, schrieb die UN-Truppe Minusma.

Bundespolitiker drücken Verletzten ihr Mitgefühl aus

Im Deutschen Bundestag zeigte man sich bestürzt. Die FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann schrieb auf Twitter: „Für weitere Spekulationen ist es zu früh. Meine Gedanken sind nun ausschließlich bei den Soldaten, Angehörigen und Helfern.“

Linksfraktionschef Dietmar Bartsch drückte ebenfalls sein Mitgefühl aus und forderte dazu auf, die Auslandseinsätze der Bundeswehr grundsätzlich zu überdenken. Die Politik sei aufgefordert, „über alle Einsätze sehr grundsätzlich neu nachzudenken, und ich wünsche mir, dass der nächste Bundestag hier sehr solide, neue Entscheidungen trifft“. Der Anschlag in Mali zeige auf eine sehr brutale Weise, wie riskant diese Einsätze seien. Die Linke ist grundsätzlich gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr.

Bundeswehrverband: Einsatz in Mali ist „brandgefährlich“

Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, André Wüstner, forderte nach dem Anschlag in Mali mehr Schutz für die Einsatzkräfte. „Dieser Anschlag zeigt, wie brandgefährlich der Einsatz in Mali ist“, sagte er am Freitag dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Zwar sei es für weitere Analysen noch zu früh, doch bleibe schon jetzt festzuhalten: „Eine nicht verhandelbare Voraussetzung für die Fortsetzung des Einsatzes ist die Gewährleistung der Rettungskette“, sagte Wüstner. „Und grundsätzlich möchte ich daran erinnern, wie notwendig der Schutz unserer Truppen auch durch bewaffnete Drohnen ist.“