Nach dem Tod eines Mannes bei einer Polizeikontrolle in Mannheim wird der Einsatz vor allem im Internet heftig kritisiert. Ein Video, das unter anderem bei Twitter veröffentlicht wurde, sorgte im Internet für Empörung. Laut Polizei werden die Aufnahmen in die Ermittlungen mit einbezogen, sagte der Sprecher des LKA. Es handle sich jedoch nur um eine kurze Sequenz, die nicht vorschnell beurteilt werden sollte.

Die Gewerkschaft der Polizei (GDP) verurteilte Hass- und Hetzbotschaften in den sozialen Medien im Zusammenhang mit dem Vorfall scharf. GdP-Landeschef Gundram Lottmann sagte, solche Reaktionen seien nicht nur völlig unangemessen, sondern auch menschenverachtend. „Wir alle sind betroffen von dem traurigen Vorfall, vor allem die eingesetzten Beamten selbst. Derzeit ist weder die Todesursache bekannt, noch liegen konkrete Ermittlungsergebnisse vor.“

Die Leiche des verstorbenen Mannes soll am Mittwoch obduziert werden. Mit ersten Ergebnissen rechnet das Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg am Ende der Woche. Es sei ein „besonderer Fall“, sagte ein LKA-Sprecher. Wenige Stunden später demonstrierten am Dienstagabend in Mannheim und Heidelberg nach Angaben der Polizei mehr als 300 Menschen gegen Polizeigewalt. Am Ort des Vorfalls in Mannheim schrieben Demonstranten „Mord durch Polizei“ mit Kreide auf einen Gehweg und legten Blumen nieder.

Mann soll Widerstand geleistet haben - Video zeigt Schläge eines Polizisten

Das 47-Jährige Todesopfer war am Montag während einer Kontrolle durch zwei Polizisten zusammengebrochen und starb später im Krankenhaus. Zuvor hatte ein Arzt des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim die Polizei alarmiert, weil ein Patient Hilfe brauche. Die beiden Beamten und der Arzt machten sich auf die Suche nach dem Mann, bis sie ihn in der Mannheimer Innenstadt entdeckten. Als die Einsatzkräfte ihn kontrollieren wollten, habe er laut Polizeiangaben Widerstand geleistet.

Er sei dann von den Beamten überwältigt worden und plötzlich leblos zusammengebrochen, so die Polizei. Er hatte sich gegen die Kontrolle gewehrt und war von den Beamten überwältigt worden. Was zu seinem Tod führte, soll nun ein Todesermittlungsverfahren aufklären.

Im Internet kursiert ein Video, auf dem Schläge eines Polizisten gegen den Kopf eines auf dem Boden liegenden Mannes zu sehen sind. Die Bilder zeigen unter anderem, dass der Mann erhebliche Verletzungen im Gesicht aufweist. Ob dieses Video echt ist oder die fragliche Polizeikontrolle zeigt, sei laut Polizei noch nicht eindeutig geklärt. Angehörige des Verstorbenen sollen sich laut der Linken-Politikerin Ezgi Güyildar mit den Aufnahmen an die Öffentlichkeit gewandt haben. Diese wurden dann unter anderem bei Twitter hochgeladen.

Forderung um lückenlose Aufklärung

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Gökay Akbulut (Linke) aus Mannheim forderte eine lückenlose Aufklärung des Polizeieinsatzes. Sie erreichten viele Fälle von Gewalteinsätzen durch die Polizei, die nicht zureichend aufgeklärt werden. „Besonders häufig passiert das, wenn es keine Zeugen gibt und keine Videoaufzeichnungen existieren. Strukturelle Defizite in der Polizei müssen beleuchtet werden. Es ist wichtig, mit weiteren Protestveranstaltungen den Druck aufrechtzuerhalten, damit es eine lückenlose Aufklärung gibt.“

Der Vorsitzende des Bundeszuwanderungs- und Integrationsrats (BZI), Memet Kilic, sagte, die Polizei habe als ausführendes Organ der Exekutive in ihrem Handeln weitreichende Eingriffsmöglichkeiten in die Grundrechte der Bürger. Deshalb müsse sie einer wachsamen demokratischen Kontrolle unterliegen: „Das im Netz verbreitete Video über dem polizeilichen Einsatz, bei dem ein Mann mit Migrationshintergrund ums Leben kam, sorgt zurecht für Fragezeichen. Umso wichtiger ist es nun, dass die Polizei Mannheim, das Landeskriminalamt Baden-Württemberg und die Staatsanwaltschaft eine transparente und rassismuskritische Aufklärung dieses Todes vorantreiben.“