Berlin - Die Moderatorin Marlene Lufen ( Sat.1-Frühstücksfernsehen) macht sich Sorgen, wenn der Lockdown über den 14. Februar hinaus verlängert werden sollte. In einem Video auf Instagram spricht sie über die Situation bestimmter Gruppen, die während der Corona-Maßnahmen gefährdet sind. „Wir sollten die Nebenwirkungen genau berechnen und kennen, wenn wir entscheiden, ob die Verlängerung des Lockdown tatsächlich die beste Wahl im Kampf um unsere Gesundheit ist“, appelliert Lufen.  

Viele Menschen hätten jetzt niemanden, der sie in den Arm nimmt. Marlene Lufen nennt beispielsweise psychisch kranke Menschen, Opfer von häuslicher Gewalt und dabei im Besonderen Kinder. Sie erwähnt ebenso Menschen, die wegen der Corona- Pandemie ihre Existenz verloren haben. Über das Video hatte unter anderen das Redaktionsnetzwerk Deutschland zuerst berichtet.

„Ich habe diese große Sorge, und die macht mich so fertig, dass ich schon seit langer Zeit nicht mehr gut schlafe. Ich habe das Gefühl, dass wir in zwei, drei Jahren zurückgucken auf diese Zeit und dass wir denken, wir haben es falsch gemacht. Dass dieser Lockdown das Falscheste war, was wir hätten machen können. Zumindest über so einen langen Zeitraum“, sagt Lufen zu Beginn des Videos, das seit Sonntag bereits  weiter über 3,5 Millionen Mal aufgerufen wurde.

Die üblichen Beschwerden der Menschen wie Depressionen oder Herz-Kreislauf-Probleme gingen ja weiter, so Marlene Lufen.  Die betroffenen Menschen müssten Therapien bekommen oder hätten nun andere Probleme, die zum Tod führen könnten. „Und das alles wird im Moment zu wenig in Betracht gezogen“, sagt Lufen weiter.  Die Zahlen der Infizierten und Toten würden nicht ins Verhältnis gestellt mit den Problemen, die der Lockdown mit sich bringe. 

Marlene Lufen berichtet in dem Video auch von ihrer Mutter: „Seit zehn Monaten sitzt meine Mama alleine zu Hause und denkt, dass es so sein muss und dass es auch das einzig Richtige ist“, so Lufen. „Und ich bemerke eine ganz dramatische Situation. Ich weiß wirklich nicht, ob es das Richtige ist für allein lebende, alte Menschen.“

Marlene Lufen nennt ein paar Zahlen, die sie selbst recherchiert hat. 

Zahlen der Moderatorin

  • 23 Prozent mehr Fälle von Gewalt an Kindern habe es in der Gewaltambulanz der Charité im ersten Halbjahr 2020 gegeben.
  • 461.000 Kinder hätten im Jahr 2020 die „Nummer gegen Kummer“ gewählt, die Online-Beratung habe einen Zuwachs von 31 Prozent zum Vorjahr gehabt.
  • Die „Jugend-Notmail“ und die „Online-Jugend- und Elternberatung“ habe Steigerungen seit März 2020 um zeitweise 50 Prozent verzeichnet.
  • Das „Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen“ habe seit April 2020 einen Anstieg an Beratungen von 15 bis 20 Prozent verzeichnet.
  • Seit Herbst gebe es zehn bis 20 Prozent mehr Anfragen nach Therapieplätzen für Menschen, die an Magersucht leiden.
  • 74 Prozent der an Depressionen Erkrankten hätten in einer Befragung angegeben, durch den Lockdown extrem belastet zu sein.

Dann sagt die Moderatorin: „Jedes Mal, wenn in den Nachrichten oder sonstwo jemand sagt: Wir müssen nochmal die Zähne zusammenbeißen, dann ist es auch durchgestanden mit der Pandemie, hat irgendein Kind zu Hause von seinem Vater die Faust im Gesicht, wird irgendeine Frau geschlagen, überlegt irgendein Jugendlicher in psychischer Not, ob er sich vielleicht von der Brücke stürzt. Und das müssen wir wissen, wenn wir einfordern: Einfach mal die Zähne zusammenbeißen.“