Marodes Rathaus in Zehlendorf: 200 Mitarbeiter schreiben Brandbrief

Ekelhafte Klos, Schimmel, Asbest und kaputte Aufzüge. Das Rathaus in Zehlendorf ist baufällig und ein Umzug zu teuer. Die Mitarbeiter schlagen Alarm.

Das Rathaus in Zehlendorf.
Das Rathaus in Zehlendorf.CC BY-SA 3.0/Clemensfranz

Die Mitarbeiter des Rathauses in Zehlendorf haben sich in einem Brandbrief über ekelhafte Klos, kaputte Aufzüge, Schimmelbefall, fehlenden Brandschutz und Rettungswege sowie Asbestbefall beschwert.

„Viele Beschäftigte denken darüber nach, die Dienststelle zu wechseln“, schreibt der Personalrat in dem Brandbrief, der dem Tagesspiegel vorliegt. „Nachwuchskräfte, die gerade neu eingearbeitet wurden, sind im nächsten Moment auch schon wieder weg.“ Bewerberinnen und Bewerber würden nach den Auswahlgesprächen ihre Bewerbung wieder zurückziehen, „weil sie gesehen haben, unter welch erbärmlichen Umständen hier gearbeitet wird“, heißt es in dem Brief.

Marodes Rathaus in Zehlendorf: Umzug ist dem Senat zu teuer

Nur einer von fünf Aufzügen würde funktionieren und für den erteilte der Tüv keine Betriebserlaubnis. Die Beschäftigten fordern den Auszug aus dem Rathaus. Sie wollen in andere Büros oder wünschen sich, dass der geplante Neubau zügiger vorankommt. Doch der Baustart für ein neues Rathaus ist erst 2024/25 vorgesehen.

200 der 500 Mitarbeiter im Haus haben unterschrieben. Es könnten noch mehr werden. „Einige sind im Urlaub, andere arbeiten zuhause, wir haben nicht alle angetroffen“, sagte Personalrat Stephan Göldner der Zeitung. Dach und Fassade würden zwar saniert: „Das Problem ist, es bewegt sich nichts im Inneren des Rathauses.“

„Ich kann den Frust nachvollziehen, ich beobachte die Zustände jeden Tag“, sagt Bezirksbürgermeisterin Maren Schellenberg dem Tagesspiegel. „Mich ärgert auch, wenn die Kommunikation nicht klappt und die alten Aufzüge mal für zwei Stunden funktionieren und dann wieder ausfallen.“ Um die Aufzüge in Gang zu halten, seien dauerhaft Firmen beauftragt. „Im Bauteil A ist täglich der Monteur da, der Aufzug verhakt sich immer wieder in einer alten Schiene, die neue muss erst bestellt werden“, so die Bürgermeisterin.

Umzug für die Mitarbeiter wäre theoretisch möglich gewesen

Zum Wunsch nach einem temporären Auszug aus dem Rathauskomplex sagt sie „Nein“: „Wir haben die Finanzen nicht.“ Zwar habe es im vergangenen Jahr ein Objekt gegeben, in das ein Teil der Verwaltung hätte ziehen können. Aber zum einen wäre auch dort gebaut worden, zum anderen wären Hunderttausende Euro an Mietkosten angefallen. „Als klar war, dass es keine Zustimmung von der Senatsfinanzverwaltung gibt, haben wir Anfang 2022 von dem Angebot Abstand genommen.“ Erst wenn die Bauarbeiten am neuen Rathaus begännen, würde der Senat die Kosten für die Ersatzräume übernehmen.