Köln - Eine knusprige Pizza essen, im Regen stehen und noch mal eine „schwerkraftunterstützte“ Toilette benutzen: Während seiner vorerst letzten Tage auf der Erde genießt Matthias Maurer die kleinen Dinge, auf die er im kommenden halben Jahr verzichten muss. Am 31. Oktober um 7.21 Uhr unserer Zeit soll der 51-jährige Astronaut aus dem Saarland seinen Heimatplaneten hinter sich lassen und an Bord einer SpaceX-Raumkapsel zur Internationalen Raumstation ISS reisen.

Für Maurer erfüllt sich mit seiner ersten Weltraummission „Cosmic Kiss“ ein Traum, für den er hart kämpfte und jahrelang trainierte. Am Anfang stand eine Ausschreibung der Europäischen Raumfahrtagentur ESA, die im Jahr 2008 neue Astronauten suchte. „Mir war sofort klar: Das ist mein Ding“, sagte der promovierte Materialwissenschaftler im Bayerischen Rundfunk.

8500 Bewerber für die Mission

Fast 8500 Weltraumbegeisterte bewarben sich damals bei der ESA. Als einer von nur zehn Kandidaten bestand der Saarländer das mehrstufige Auswahlverfahren und wurde 2015 als zweiter Deutscher nach Alexander Gerst ins aktuelle europäische Astronautenkorps aufgenommen. Seine Grundausbildung zum Astronauten schloss er im Jahr 2018 ab.

Wie die meisten Raumfahrer ist Maurer Naturwissenschaftler. Er spezialisierte sich auf Materialwissenschaft und Werkstofftechnik. Die Fächer studierte er in Saarbrücken, im nordenglischen Leeds, im französischen Nancy und im spanischen Barcelona. Auch außerhalb Europas war Maurer für Forschungsaufenthalte unterwegs – unter anderem arbeitete er in Argentinien und Südkorea.

Für seine Doktorarbeit in Materialwissenschaften zum Thema „Aluminiumschaumspritzschichtverbunde für den Leichtbau“ wurde er mit mehreren Wissenschaftspreisen ausgezeichnet. Danach legte er eine Pause ein, in der er längere Zeit um die Welt reiste. Bis zur ESA-Bewerbung arbeitete er dann für ein Medizintechnikunternehmen und forschte etwa an Blutfiltern für die Dialyse.

Überlebenstrainings in der Kälte und auf dem Wasser

Für die ISS-Expedition absolvierte Maurer ein kräftezehrendes Programm, darunter Überlebenstrainings in der Kälte und auf dem Wasser. Um Außenbordeinsätze zu simulieren, trainierte er mit einem 200 Kilogramm schweren Raumanzug unter Wasser – an zwei Stellen mit Halteseilen gesichert. „Wenn man den Kontakt zur Station verliert, dann ist man Weltraumschrott“, sagte er im ZDF.

Außerdem lernte der 51-Jährige, wie er sich und seine Kollegen im Notfall medizinisch versorgen kann. Während seiner Ausbildung nähte er Wunden und legte Katheter. Wenn es sein muss, kann er sogar Zähne ziehen. Auch Russisch und Chinesisch lernte er. Darin ist er nach eigener Einschätzung aber „nicht ganz so fit“ wie im Englischen, Spanischen und Französischen.

Auf der ISS erwartet ihn ein Stundenplan wie in der Schule

Maurer sollte für seinen Einsatz in der Schwerelosigkeit also bestens gerüstet sein. Zurücklehnen können wird er sich deshalb trotzdem nicht: Auf der ISS erwartet ihn ein Stundenplan wie in der Schule, der ihm genau vorgibt, wann er sich welchen wissenschaftlichen Experimenten zu widmen hat. Raum für persönliche Entfaltung und Spontaneität lässt die Mission kaum.

Eine kleine Box mit persönlichen Gegenständen, die Maurer mitnehmen darf, reiste schon vor ihm zur ISS. Mit in die SpaceX-Raumkapsel darf nur noch eine kleine Tasche mit einem Gewicht von anderthalb Kilogramm und somit deutlich weniger Handgepäck als bei herkömmlichen Flügen.

Klöße und Rehragout in Dosen verpackt

Was an Weihnachten und bei Maurers 52. Geburtstag am 18. März auf dem Tisch kommt, steht auch bereits fest. Den Astronauten erwartet ein Stück saarländischer Traditionsküche, das etwa 5000 Landsleute in einem Wettbewerb auswählten – ein Rehragout an Speckrahmwirsing und „Hoorische“, längliche Klöße – alles schon in Dosen verpackt.

Mit den Menschen auf der Erde will Maurer während seiner Mission in engem Kontakt bleiben. Wie sein französischer Vorgänger auf der ISS, Thomas Pesquet, plant er etwa, 360-Grad-Videos aufzunehmen. Fragen rund um „Cosmic Kiss“, die ISS und seinen Beruf beantwortet er bereits regelmäßig auf Twitter unter dem Hashtag „AskMatthias“.

„Astronaut zu sein hat Schönheiten, die kein anderer Job der Welt bieten kann“, sagte Maurer dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Mit diesen Schönheiten seien aber Herausforderungen verbunden, die gemeistert werden müssten. „Dafür habe ich mich beworben, bin ausgewählt und auch ausgebildet worden – also alles ist machbar.“