Berlin - Im Kampf gegen Fehlernährung rufen Mediziner und Verbraucherschützer die Ampel-Parteien zu einer Beschränkung von an Kinder gerichteter Werbung für ungesunde Lebensmittel auf. Die Unterzeichner des Appells, der der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag vorlag, fordern von SPD, Grünen und FDP, in ihrem angestrebten Koalitionsvertrag eine klare Formulierung zu verankern, wonach es verbindliche Regeln dafür geben soll, dass „nur ausgewogene Produkte an Kindern beworben werden dürfen“.

Unterzeichnet wurde der Appell unter anderem von Professorinnen für Kinder- und Jugendmedizin und Spezialisten für Diabetes. Nach Angaben der Verbraucherorganisation Foodwatch gelten aktuell etwa 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen als übergewichtig und sechs Prozent sogar als fettleibig. Ihnen drohten damit im späteren Lebensverlauf Krankheiten wie Typ-2-Diabetes, Gelenkprobleme, Bluthochdruck und Herzerkrankungen.

Kinderprodukte: Knapp 86 Prozent zu viel Zucker, Fett oder Salz

Foodwatch kritisierte, dass die Bundesregierung bislang vor allem auf freiwillige Vereinbarungen der Industrie setze. Bereits 2007 hätten die großen Lebensmittelkonzerne Europas mit dem sogenannten EU Pledge zugesichert, ihre Lebensmittelwerbung verantwortungsvoller zu gestalten und kein Junkfood mehr an unter Zwölfjährige zu vermarkten, erklärte die Verbraucherorganisation.

Eine aktuelle Marktstudie von Foodwatch zeige jedoch, dass diese Strategie gescheitert sei: Von 283 untersuchten Kinderprodukten enthielten 242 (85,5 Prozent) zu viel Zucker, Fett oder Salz. Diese Produkte seien nach Kriterien der Weltgesundheitsorganisation WHO unausgewogen und sollten nicht an Kinder vermarktet werden.