PostdamDie Zahl neuer Corona-Ansteckungen schnellt in Brandenburg in die Höhe - so stark wie noch nie seit Beginn der Krise. Von Donnerstag auf Freitag seien landesweit 525 bestätigte Fälle hinzugekommen, teilte das Gesundheitsministerium am Freitag in Potsdam mit. Der bisherige Rekordwert mit 446 neuen Infektionen von Donnerstag ist damit deutlich übertroffen. Seit März wurden mehr als 10 000 Ansteckungen in Brandenburg gezählt; 220 Menschen starben im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung.

Im Kreis Spree-Neiße wuchs die Zahl neuer Ansteckungen mit 103 sprunghaft, allerdings wurden am Donnerstag keine Zahlen gemeldet. Sechs Kreise und kreisfreie Städte liegen bei den neuen Infektionen je 100 000 Einwohner in einer Woche über dem Inzidenzwert 100; Cottbus gab am Freitag als neuen Wert 177 an, nach 160,5 zuvor. Die landesweite Zahl nahm weiter zu: von 90,3 auf 94,4.

Derweil nimmt die Belastung in den Kliniken zu. Gegenwärtig sind 286 Patienten in Krankenhäusern, 10 mehr als am Vortag. Von ihnen werden 43 künstlich beatmet, was einem Plus von 4 Patienten entspricht. Im Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus werden 34 Patienten im Zusammenhang mit einer Covid-19-Infektion behandelt, 11 auf der Intensivstation. Das Klinkum Niederlausitz mit mehreren Standorten reagierte mit einer Bündelung von Personal in Senftenberg. Dort seien zwölf Patienten in Behandlung, fünf mit künstlicher Beatmung auf der Intensivstation.

Der Leiter der Covid-19-Stationen im Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam, Michael Oppert, rechnet mit deutlich mehr Patienten in den nächsten Tagen. «Sehr gut planbare Eingriffe müssen heruntergefahren werden. Wir müssen Netzwerke bilden, um die Versorgung aufrechtzuerhalten», sagte er der «Märkischen Allgemeinen» (Freitag).

Die zusätzlichen Corona-Schnelltests des Bundes für Pflegeheime und Krankenhäuser werden in Brandenburg zum Teil bereits verwendet. „Die Schnelltests werden noch nicht flächendeckend eingesetzt, einzelne Einrichtungen nutzen sie aber schon“, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Dominik Lenz. Parallel laufe bis Ende November die Teststrategie des Landes weiter, also freiwillige Tests in Schulen, Kitas und Pflegeheimen.

Der Landtag wird kommende Woche unter verschärften Voraussetzungen tagen. Die dreitägige Sitzung werde auf Mittwoch und Donnerstag verkürzt, für die Koalition solle möglichst ein Abgeordneter als Vertreter im Plenum sprechen, sagte Präsidentin Ulrike Liedtke. Die Beschlussfähigkeit des Landtags in Notlagen - mit nur mindestens 23 statt 45 Abgeordneten - soll über den 31. Dezember hinaus verlängert werden, Landtagsausschüsse sollen per Videokonferenz abstimmen können. Bisher wurden Corona-Infektionen bei zwei Parlamentariern bekannt: Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und Landtags-Vizepräsident Andreas Galau.

Liedtke dringt darauf, dass das Parlament bei Beschlüssen in der Corona-Krise auch mitentscheiden kann: „Nur Regierungshandeln darf es nicht geben.“ Die Landesregierung müsse den Landtag schnell und ausreichend informieren, damit er darüber diskutieren und möglicherweise auch Beschlüsse fassen könne. Die Koalition berät derzeit über ein Gesetz zur Beteiligung des Landtags bei Corona-Maßnahmen. AfD-Fraktion und Linksfraktion hatten eine stärkere Einbeziehung des Parlaments verlangt.