Berlin - Wem ist der Sonntag heilig? Vielen Arbeitgebern jedenfalls nicht. Fast jeder fünfte Arbeitnehmer in Deutschland arbeitet an mindestens einem Sonn- oder Feiertag im Monat. Von den 38,3 Millionen Beschäftigten waren es im vergangenen Jahr 7,2 Millionen, wie aus der Antwort des Statistischen Bundesamts auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervorgeht. 

Davon arbeiteten 1,4 Millionen an jedem Sonn- und Feiertag im Monat. 3,4 Millionen hatten an mindestens zwei Sonn- oder Feiertagen im Monat nicht frei. Und bei knapp 2,5 Millionen betraf dies einen Sonn- oder Feiertage im Monat. Bei Frauen lag der Anteil derjenigen mit Arbeit an Sonn- und Feiertagen leicht über dem der Männer.

Es gibt aber regionale Unterschiede. So ist jede zehnte Frau im Osten mit mindestens zwei Sonn- und Feiertagen im Monat betroffen. Und es leisten 25 Prozent aller Frauen in Mecklenburg-Vorpommern Sonntagsarbeit – 3,9 Prozent arbeiten jeden Sonntag.

Rund 19 Prozent der Brandenburger arbeiten auch am Wochenende

Von rund 1,1 Millionen Arbeitnehmern in Brandenburg haben im Vorjahr rund 216.000 Menschen mindestens an einem Sonn- oder Feiertag im Monat arbeiten müssen. Das entspricht einer Quote von 19,3 Prozent, wie eine Antwort des Statistischen Bundesamts auf eine Anfrage der Linken im Bundestag zeigt. Grundlage sind Daten aus dem Mikrozensus 2019. Brandenburg liegt damit über dem Bundesschnitt von 18,8 Prozent.

In der Hauptstadt arbeitet mehr als jeder fünfte Angestellte an mindestens einem Sonn- oder Feiertag im Monat. Von den knapp 1,6 Millionen abhängig Beschäftigten in Berlin betrifft das rund 337.000 Arbeitnehmer, wie aus einer Antwort des Statistischen Bundesamts auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Das ist ein Anteil von 21,1 Prozent. Nur im Saarland (21,3 Prozent) und in Mecklenburg-Vorpommern (24,1 Prozent) liegt er höher.

57.000 Menschen arbeiten in Berlin sogar an jedem Sonn- und Feiertag. Das sind 3,6 Prozent aller Angestellten. Die Linken forderten vor dem Hintergrund dieser Zahlen, dass stärker auf die Erholung der Menschen geachtet werden müsse. „Es ist nachvollziehbar, dass im Krankenhaus oder bei der Bahn sonntags gearbeitet werden muss – aber sonntags Einkaufen muss nicht sein“, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Susanne Ferschl der dpa.

Auch an diesem Nikolaussonntag mussten in Berlin vor allem im Einzelhandel zahlreiche Arbeitnehmer ran: In der Hauptstadt hatten viele Geschäfte am ersten von zwei verkaufsoffenen Sonntagen in der Adventszeit geöffnet.

Nach dem Arbeitszeitgesetz ist in Deutschland eine Beschäftigung an Sonn- und Feiertagen grundsätzlich verboten. Allerdings gibt es für zahlreiche Berufe Ausnahmen.