Würzburg - Bei der Messerattacke von Würzburg sind drei Frauen in einem Kaufhaus getötet worden. Das sagte Unterfrankens Polizeipräsident Gerhard Kallert am Samstag in Würzburg. 

Der Verdächtige habe sich unmittelbar vor der Attacke in dem Geschäft nach Messern erkundigt, sich eines aus einer Auslage geschnappt, sofort auf eine Verkäuferin eingestochen und sie tödlich verletzt. Anschließend tötete der Mann nach bisherigen Erkenntnissen dort zwei weitere Frauen. Danach griff er weitere Menschen in einer Bank und auf der Straße an.

„Ich habe Verletzte gesehen, ich habe Tote gesehen“, sagte Kallert. Er bedankte sich unter anderem bei Bürgern, die durch das Verbrechen in eine Extremsituation geraten seien und mitgeholfen hätten, den Täter in eine Gasse zu treiben.

Fünf weitere Menschen wurden bei der Attacke schwer verletzt. Eine Frau schwebte am Samstagabend noch in Lebensgefahr. Zwei von sieben ernstlich Verletzten seien inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen worden, der Zustand der anderen sei ärztlich stabilisiert worden.

Der Tatverdächtige stammt aus Somalia und ist 24 Jahre alt  

Der Tatverdächtige, ein 24-jähriger Somalier, der seit etwa fünf Jahren in Deutschland sein soll und zuletzt in Würzburg in einer Obdachlosenunterkunft lebte, war bereits vor der Attacke polizeibekannt. Ein Beamter hatte ihn nach der Tat angeschossen, Lebensgefahr bestand laut Polizei nicht.

Das Motiv für die Tat ist noch immer nicht vollends geklärt. Es müsse jetzt ermittelt werden, inwiefern die Psyche des Mannes eine Rolle gespielt habe und inwiefern islamistische Einstellungen zur Tat beigetragen hätten, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Samstag. Die Ermittler gingen weiter davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handelt.

Ermittler haben im Obdachlosenheim, in dem der mutmaßliche Messerangreifer von Würzburg zuletzt lebte, Hassbotschaften gefunden. Das sagte der Leitende Kriminaldirektor Armin Kühnert in Würzburg. Das Material sei sichergestellt, aber noch nicht ausgewertet worden. Auch Nachrichten auf einem entdeckten Handy müssten noch untersucht werden, was wegen der dabei genutzten Fremdsprache etwas dauere.

Festgenommener soll Attacke als „Dschihad“ bezeichnet haben

Der Mann war den Angaben nach zuvor in psychiatrischer Behandlung. Ein islamistisches Motiv des Angreifers wird aber auch geprüft, weil der Migrant bei dem Angriff „Allahu Akbar“ (deutsch: Gott ist groß) gerufen haben soll. Aus Sicherheitskreisen hieß es am Samstag, der junge Mann habe bei seiner Vernehmung eine Äußerung gemacht, die auf religiösen Fanatismus schließen lasse.

Er soll laut einem Bericht des Spiegel gegenüber der Polizei erklärt haben, dass er seinen „Dschihad“ nun verwirklicht hätte. Hinweise auf Kontakte zu militanten Salafisten gibt es dem Vernehmen nach bisher jedoch nicht. 

Mittlerweile ist Haftbefehl gegen den Tatverdächtigen erlassen worden. Dieser laute auf dreifachen Mord und sechsfachen versuchten Mord, sagte der Pflichtverteidiger des verdächtigen Somaliers, Hanjo Schrepfer, am Samstag in Würzburg. Sein Mandant solle noch am Samstag in ein Gefängnis in Untersuchungshaft überstellt werden. Er sei haftfähig trotz einer Beinschussverletzung.

Nach Gesprächen mit dem 24-Jährigen könne er jedoch bisher kein islamistisches Motiv erkennen. „Offiziell hat er sich noch nicht zur Sache eingelassen“, sagte Schrepfer.

Tatverdächtiger war bereits im Januar auffällig

Der Tatverdächtige hatte im Januar bei einem Streit in einer Obdachlosenunterkunft zu einem Messer gegriffen und es bedrohlich in der Hand gehalten. Das sagte Wolfgang Gründler von der Generalstaatsanwalt Bamberg.

Worum es bei der Auseinandersetzung im Januar mit Mitbewohnern und Verwaltern ging, sagte Gründler nicht. Verletzt worden sei niemand. Die Polizei leitete aber ein Ermittlungsverfahren wegen Bedrohung und Beleidigung ein, der Somalier kam vorübergehend in eine Psychiatrie.

Im Juni soll der 24-Jährige zudem einen Verkehrsteilnehmer in der Würzburger Innenstadt belästigt haben. „Da hat der Beschuldigte ein verstörtes Verhalten mit psychischen Auffälligkeiten gezeigt.“ Der Mann sei erneut in eine Psychiatrie gekommen, aber nach einem Tag wegen fehlenden Behandlungsbedarfes entlassen worden.

AP/Michael Probst
Würzburg: Polizisten bewachen am Samstag den abgesperrten Tatort in der Innenstadt.

Ministerpräsident Söder ordnet Trauerbeflaggung in Bayern an

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bezeichnete die Bluttat von Würzburg trotz der noch laufenden Ermittlungen als Amoklauf. Ganz Bayern sei entsetzt über das, was in Würzburg geschehen sei, sagte Söder zu Beginn einer Landesdelegiertenversammlung der CSU am Samstag. Söder ordnete Trauerbeflaggung für den Freistaat an. Es sei ein „schwerer Tag für Bayern“, sagte er.

Am Sonntagnachmittag wird es im Kiliansdom der Stadt eine Gedenkfeier für die Opfer geben. Daran werden neben dem katholischen Würzburger Bischof Franz Jung auch Vertreter weiterer Religionen und der Öffentlichkeit teilnehmen, wie Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU) am Samstag mitteilte.

Erwartet werden bei der Feier der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, die evangelische Regionalbischöfin Gisela Bornowski und Vertreter der muslimischen Gemeinden. Der Kiliansdom liegt nicht weit vom Ort des Geschehens am Barbarossaplatz mitten in der Würzburger Innenstadt.