Berlin - Mehrwegbecher mit Faseranteilen aus Bambus, Reis, Weizen oder Mais sind beliebt, da weniger umweltbelastend. Doch die Kehrseite der Medaille: Derartige Produkte sind massiv gesundheitsschädigend und potenziell krebserregend. Das sagt die Verbraucherzentrale Berlin. Und fordert jetzt, dass derartiges Mehrweggeschirr bundesweit und flächendeckend zurückgerufen wird.

„Bereits 2014 meldete das CVUA Stuttgart Grenzwertüberschreitungen bei solchen Produkten“, so die Verbraucherschützer. Auch ein Test der Stiftung Warentest habe gezeigt, dass „bei den meisten To-Go-Bechern mit Bambusanteil Schadstoffe in das jeweilige Getränk übergehen“. Produkte aus reinem Bambus wie Schneidebretter oder Essstäbchen seien nicht betroffen, sondern nur „Gemische aus Kunststoff und Bambus beziehungsweise bestimmten anderen natürlichen Bestandteilen“.

Die Verbraucherschützer: „Ende des Jahres 2020 haben die meisten Überwachungsbehörden begonnen, die Produktgruppe vom Markt zu nehmen. Allerdings ist dieser Prozess immer noch nicht abgeschlossen. Auch eine vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit geplante Recherche zu Bambusgeschirr im Online-Handel wurde 2020 pausiert und bisher nicht wieder aufgenommen“. Das bedeutet, dass potenziell schädliche Produkte nach wie vor in Geschäften oder im Internet erhältlich sind.

Das rät die Verbraucherzentrale Berlin:

  • Benutzen Sie die Produkte nicht weiter! Sollten Sie Kunststoffprodukte mit Bambus-, Reis- oder Weizenfasern haben, benutzen Sie diese nicht weiter – zumindest nicht für den Gebrauch mit Lebensmitteln. Schauen Sie sich beispielweise nach To-Go-Mehrwegbechern aus Edelstahl um.
  • Informieren Sie Freunde und Bekannte! Die Nutzung des Geschirrs ist weitverbreitet. Lassen Sie auch Ihren Umkreis wissen, dass solches Kunststoff-Naturfaser-Mix-Geschirr potenziell schädlich sein kann.
  • Melden Sie Produkte, die noch zum Verkauf stehen! Wenn Sie im Handel Produkte finden, die aus einem Kunststoffgemisch mit Bambus-, Reis oder Weizenfasern oder Maisstärke bestehen, melden Sie diese zunächst beim Geschäft selbst. Informieren Sie im Zweifel auch die zuständige Lebensmittelüberwachung.

Forderung der Verbraucherzentralen: Flächendeckende Rückrufe

Es sei „ein Skandal, dass der Handel Verbraucher weiterhin illegales und potenziell krebserregendes Plastik-Geschirr mit Bambus-, Reis- oder Weizenfasern anbietet“, sagt Klaus Müller,  Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands VZBV. Sowohl der Bundesregierung als auch den Bundesländern sei bekannt, dass der Verkauf derartiger Produkte illegal ist. Dennoch gebe es „weder einen bundesweiten Rückruf der betroffenen Produkte noch klare öffentliche Informationen dazu. Das ist ein Versäumnis, das die Gesundheit der Verbraucher gefährdet“.  

Um die Menschen „bestmöglich vor den möglichen gesundheitlichen Schäden zu bewahren“, fordern der vzbv und die Verbraucherzentralen jetzt den flächendeckenden Rückruf des Kunststoffgeschirrs mit Naturfasern. Unternehmen, die Bambusbecher und Co. anbieten, sollten diese zudem „schnellstmöglich aus dem Sortiment nehmen und ihre Kunden deutlich über den Rückruf informieren“.