Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, fordert ein zeitlich begrenztes Gasembargo gegen Russland. „Man könnte doch sagen, wir machen ein Embargo für ein oder zwei Monate und schauen auf das Verhalten von Putin“, sagte Melnyk der „Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“ (Donnerstagausgabe) mit Blick auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Er sei „davon überzeugt, dass dies eine entscheidende Wirkung auf ihn ausüben wird und dazu beiträgt, diesen sinnlosen blutigen Krieg zu stoppen und nicht mit 32 Milliarden Euro Zahlungen pro Jahr zu verlängern“, sagte Melnyk mit Verweis auf Greenpeace-Berechnungen zu deutschen Energiekäufen aus Russland. Der Umweltorganisation zufolge könnte sich in diesem Jahr die Gesamtsumme für russisches Öl und Gas auf fast 32 Milliarden Euro erhöhen.

Nach Ansicht Melnyks betrachtet die Bundesregierung diese Frage einseitig. „Es fehlt eine offene Debatte, in der unterschiedliche fachliche Sichtweisen von Wissenschaftlern zum Thema sofortiges Gas- und Ölembargo gehört werden“, sagte der Botschafter.

Er verteidigte zugleich seine häufig undiplomatische Wortwahl gegenüber dem Gastland. Als Botschafter müsse er die Interessen seines Landes verteidigen. „Wenn unsere Stimme nicht gehört oder ignoriert wird, dann muss ich eben lauter werden“, sagte Melnyk. Es gebe Situationen, in denen man Emotion und Provokation nutzen müsse. „Anders geht es nicht im schlimmsten Krieg in Europa seit 1945“, fügte er hinzu.