Garmisch-Partenkirchen - Tote, Vermisste, Dutzende Verletzte: Einen Tag nach dem schweren Zugunglück in Garmisch-Partenkirchen suchen die Einsatzkräfte noch immer nach Vermissten und kämpfen mit den Tücken einer schwierigen Bergung. Einen Tag nach dem Zugunglück in Garmisch-Partenkirchen ist nach Polizeiangaben eine weitere Leiche geborgen worden.

Nach Angaben des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU) werden sieben Menschen weiter vermisst. Ob die Leiche, die am Samstag geborgen wurde, zu den Vermissten gezählt hatte, war zunächst nicht bekannt. Es sei nicht auszuschließen, dass sich unter den umgekippten Waggons noch weitere Opfer befinden könnten. Drei der vier zuvor bestätigten Toten konnten den Angaben zufolge inzwischen geborgen werden, ein Opfer war am Freitag auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben.

Es handle sich bei den vier Todesopfern um „erwachsene Frauen“, so Hermann am Samstag im Bayerischen Rundfunk. Noch „etwa sieben Menschen“ gelten demnach als vermisst.

Die Rettungskräfte gehen von 40 Verletzten und drei Schwerverletzten aus. Das sagte ein Polizeisprecher an der Unfallstelle. Am Vortag war noch von etwa 15 Schwerverletzten die Rede gewesen.

Ministerpräsident Markus Söder am Unglücksort

„Es ist ein unfassbares Ereignis“, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Sonnabend bei einem Besuch am Unglücksort. „Wir hoffen sehr, dass es keine weiteren Todesfälle gibt.“ Ein solches Unglück sei immer ein Schock und ein „Stich ins Herz“. Es sei ein Zug gewesen, der für viele Schüler da war. „Man muss sich das jetzt so vorstellen: Es ist kurz vor den Ferien, im Zug ausgelassene Stimmung, in einer der schönsten Regionen, die Bayern ja hat – und dann passiert so was und verändert möglicherweise ein Leben komplett.“

Die Bergungsarbeiten gestalteten sich schwierig. Zwei Versuche, die Waggons anzuheben, scheiterten. Dabei seien auch Hebekissen zum Einsatz gekommen. Die Waggons seien „verdreht und verwunden“, sagte der Polizeisprecher. „Das macht die Bergung so schwierig. Man muss Schritt für Schritt vorgehen.“

Zur Unfallursache gab es auch am Sonnabend zunächst keine neuen Erkenntnisse. Der Lokführer wurde nach Polizeiangaben zwar vernommen. Was er gesagt hat, teilte die Polizei allerdings nicht mit.

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Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) besucht den Unglücksort.

Unfallursache ungeklärt

Sicher sei bislang nur, dass ein Zusammenstoß mit einem anderen Fahrzeug ausgeschlossen werden könne. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, sagte der Sprecher. „Die genaue Unfallursache steht noch nicht fest. Vor Ort waren alle Experten der Meinung, dass die wahrscheinlichste Ursache ein technischer Defekt am Gleis oder am Zug sein müsste“, sagte Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) am Sonnabend auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Ähnlich hatte er sich zuvor auch schon im Bayerischen Rundfunk geäußert.

Seinen Angaben zufolge sollten im Laufe des Tages weitere Experten anreisen, um mögliche Gründe weiter auszuloten. „Es geht jetzt darum, die Unfallursache genau und rasch zu klären.“ Auch Söder betonte: „Da sind die zuständigen Behörden dran.“ Die Strecke war nach Angaben eines Bahnsprechers mit elektronischen Stellwerken und moderner Sicherungstechnik ausgerüstet.

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Rettungsarbeiten bis spät in die Nacht

Am Freitagmittag waren mehrere Waggons der Regionalbahn auf dem Weg nach München im Ortsteil Burgrain entgleist. Mehrere Doppelstock-Wagen des Zugs kippten um, rutschen eine Böschung hinab und blieben direkt neben einer Bundesstraße liegen.

Von den etwa 140 Menschen im Zug starben mindestens vier, unter der Verletzten waren auch Kinder. Einige Opfer erlitten schwerste Verletzungen und mussten notoperiert werden. Es war eines der schwersten Bahnunglücke der vergangenen Jahre in Deutschland.

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Einsatz- und Rettungskräfte sind zu Tagesbeginn an der Unfallstelle im Einsatz.

Bundespräsident Steinmeier bestürzt

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier reagierte „mit großer Bestürzung“: „Meine Gedanken sind bei den Verletzten und allen Angehörigen in diesen schweren Stunden“, sagte er laut einer Mitteilung. „Allen Polizei- und Rettungskräften danke ich für ihren unermüdlichen und wichtigen Einsatz.“

Das Landratsamt in Garmisch-Partenkirchen kündigte an, dass bis zum Ende der Bergungsarbeiten voraussichtlich Mitte nächster Woche auch der Autoverkehr in der Region von Behinderungen betroffen sein werde. So soll weiterhin der Verkehr von der Autobahn 95 großräumig umgeleitet werden, die Fernstraße bleibt in Richtung Süden gesperrt.