Christian Lüth.
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BerlinDer Vorstand der AfD-Bundestagsfraktion hat ihrem früheren Sprecher Christian Lüth fristlos gekündigt. Fraktionschef Alexander Gauland habe die Entscheidung in der Fraktionssitzung verkündet, sagte ein Sprecher am Montag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Hintergrund sind menschenverachtende Äußerungen über Migranten in einer TV-Dokumentation, die Lüth nach bisher unbestätigten Berichten getätigt haben soll.

Laut dem Nachrichtenportal „Zeit Online“ soll Christian Lüth über die Möglichkeit des Erschießens oder Vergasens von Migranten gesprochen haben. Bei einem heimlich von ProSieben gefilmten Treffen mit einer rechten Publizistin soll sich der damalige AfD-Fraktionssprecher laut dem Portal dafür ausgesprochen haben, dass „noch mehr Migranten kommen“. Laut „Zeit Online“ soll er weiter gesagt haben: „Weil dann geht es der AfD besser. Wir können die nachher immer noch alle erschießen. Das ist überhaupt kein Thema. Oder vergasen, oder wie du willst. Mir egal!“

„Zeit Online“ berichtete, ProSieben spreche aus rechtlichen Gründen in einer dazugehörigen Fernsehdokumentation nur von einem hohen AfD-Funktionär und nenne Lüths Namen nicht. Das Gesicht des AfD-Mitglieds, das bei einem Treffen mit einer Bloggerin in einer Bar gefilmt wurde, ist in den Aufnahmen nicht zu erkennen. Allerdings habe das Portal Lüth mithilfe mehrerer Informanten eindeutig identifiziert. Der Film soll am Montagabend ausgestrahlt werden.

Der Sender berichtete im Vorfeld, er habe seine Gesprächspartnerin zur Mitarbeit bei der Partei bewegen wollen. „Je schlechter es Deutschland geht, desto besser für die AfD“, soll er gesagt haben. „Das ist natürlich scheiße, auch für unsere Kinder - aber wahrscheinlich erhält uns das.“ Dies sei mit Fraktionschef Alexander Gauland „lange besprochen“ worden, soll er zudem gesagt haben.

Gauland erklärte dazu am Montag: „Die (dem ehemaligen Pressesprecher der Fraktion) Herrn (Christian) Lüth zugeschriebenen Äußerungen sind völlig inakzeptabel und in keiner Weise mit den Zielen und der Politik der AfD und der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag vereinbar.“ Die Behauptung, er habe mit Lüth „über diese Themen auch nur gesprochen beziehungsweise ich hätte die Herrn Lüth zugeschriebenen Äußerungen ihm gegenüber sogar gebilligt, ist völlig absurd und frei erfunden“, fügte er hinzu. Gauland hatte Ende 2015, als die Partei trotz des Austritts von Tausenden Mitgliedern in der Wählergunst wieder besser dastand, in einem „Spiegel“-Interview gesagt: „Natürlich verdanken wir unseren Wiederaufstieg in erster Linie der Flüchtlingskrise.“