Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat am Donnerstag die Verlängerung des Lockdowns bis zum 14. Februar und die Verschärfung der Corona-Maßnahmen verteidigt. Der aktuelle Rückgang der Neuinfektionen zeige, „dass die harten Einschnitte, die die Menschen in Deutschland seit Wochen auf sich nehmen müssen, sich auszuzahlen beginnen“. Man könne sehen, dass die Mühe sich lohne, so Merkel.  

Es gehe aber auch darum, dass die Virusmutationen, wie sie in Großbritannien und Irland aufgetreten sind, sich nicht in Deutschland ausbreiten. „Das mutierte Virus ist um ein Vielfaches ansteckender, wir nehmen das sehr ernst“, sagte Merkel.

Noch würden sich die Mutationen in den Infektionszahlen in Deutschland nicht niederschlagen. „Doch wenn sie sich bei uns in den Zahlen niederschlagen, ist es zu spät. Wir können jetzt noch eine dritte Welle verhindern“, so Merkel. Der zweite Lockdown diene der Vorsorge gegen diese dritte Welle. „Unser Ziel ist es, die Pandemie in diesem Jahr in den Griff zu bekommen und sie zu beenden.“

Für den Frust der Deutschen zeigte Merkel Verständnis, vor allem für die momentane Situation vieler Eltern. Die Pandemie nannte sie eine „Jahrhundertkatastrophe und eine Zumutung für alle“. Mit Blick auf die vielen Einschränkungen etwa für Familien, Kultur und Wirtschaft fügte sie hinzu: Es „wäre ganz verwunderlich, wenn da nicht wirklich auch die Geduld auf eine extrem harte Probe gestellt wird, und das ist uns doch auch bewusst“. Die aktuelle Situation im Corona-Winter zerre an den Nerven aller.

Gleichwohl gebe es Gründe zur Hoffnung, betonte Merkel. Im Vergleich zur Spanischen Grippe, die nach dem Ersten Weltkrieg kursierte, sei man in einer wesentlich besseren Lage. Es gebe bereits Impfstoffe und man wisse, wie man den Weg aus der Krise finde, sagte die Kanzlerin. Bei aller Bedrückung sei es doch eine gänzlich andere Lage als vor hundert Jahren. Dennoch gelte: „Es ist eine schwere Zeit.“ Da gebe es nichts schönzureden.

Bis „Ende des Sommers“ sollen alle Deutschen ein Impfangebot bekommen, stellte die Kanzlerin in Aussicht. Eine finanzielle Unterstützung für Bedürftige zur Anschaffung von FFP2-Masken sei für die Bundesregierung bisher kein Thema. Sollten die Einschränkungen jedoch noch lange anhalten, müsse man „natürlich auch darüber nachdenken, ob wir an der Stelle noch mal helfen müssen“.

Mit Blick auf mögliche Lockerungen von Corona-Maßnahmen räumt Merkel Kitas und Schulen den Vorrang ein. Man könne bei Erreichen der 50er-Inzidenz nicht wieder alles aufmachen, sondern müsse Prioritäten setzen, sagte sie. Anderenfalls drohe schnell wieder exponentielles Wachstum. „Eine Priorität für mich ist ganz klar, dass zuerst Kitas und Schulen wieder geöffnet werden müssen.“ Bei der Öffnung stünden diese auf Rang eins, das sei politisch völlig unstrittig.

Merkel sagte weiter: „Aber danach wird es natürlich nicht ganz einfach. Ich würd mal sagen, aus praktischen Gründen müsste man dann bald die Friseure rannehmen, aber das ist jetzt mehr anekdotisch.“