Berlin - Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz kandidiert zum dritten Mal in Folge für den CDU-Vorsitz. Der Vorstand seines CDU-Kreisverbands Hochsauerland nominierte den 66-Jährigen am Montagabend in einer digitalen Sitzung für die anstehende Mitgliederbefragung zum künftigen Parteivorsitzenden, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Parteikreisen erfuhr.

Zweimal ist Friedrich Merz schon beim Versuch gescheitert, Parteichef zu werden. Nachdem die damalige Kanzlerin Angela Merkel 2018 ihren Rückzug vom CDU-Vorsitz angekündigt hatte, verlor er beim Parteitag Anfang Dezember 2018 in einer Stichwahl knapp gegen Merkels Favoritin Annegret Kramp-Karrenbauer. Nach Kramp-Karrenbauers Rückzugsankündigung und einer coronabedingten langen Hängepartie trat Merz bei einem digitalen Parteitag im Januar 2021 gegen Laschet und Röttgen an. In der Stichwahl siegte Laschet.

Merz hat immer noch viele Sympathien in der CDU

Der Ex-Unionsfraktionschef hat noch immer viele Sympathien in der CDU, nicht nur beim konservativen Flügel, sondern auch im Osten, im Wirtschaftsflügel und beim Nachwuchs von der Jungen Union. In der CDU heißt es aber auch, Merz stehe nicht gerade für einen Generationenwechsel.

Seit der Bundestagswahl sitzt Merz wieder als direkt gewählter Abgeordneter für den Hochsauerlandkreis im Parlament. Von 1989 bis 1994 war er Europaabgeordneter, im Anschluss saß er bis 2009 im Bundestag. Von 2000 bis 2002 war er Unionsfraktionschef. Nach seiner ersten Zeit im Bundestag kümmerte sich Merz um seine Anwaltskanzlei und ging in die Wirtschaft, beim US-Vermögensverwalter Blackrock war er Aufsichtsratschef für Deutschland. Merz ist mit einer Richterin verheiratet und hat drei erwachsende Kinder.

Merz ist nicht nur für seine Anhänger in der Poleposition für die erste Runde der Befragung der rund 400.000 CDU-Mitglieder über den künftigen Vorsitzenden vom 4. bis 16. Dezember. Selbst Kritiker vermuten, dass der 66-Jährige bei den im Schnitt mehr als 60 Jahre alten Mitgliedern vorne liegen dürfte – auch wegen seines Bekanntheitsgrads.

Auch Röttgen und Braun wollen CDU-Chef werden

Friedrich Merz ist der dritte Bewerber für den CDU-Vorsitz: Am Freitag hatten bereits der Außenpolitiker Norbert Röttgen und der geschäftsführende Kanzleramtschef Helge Braun ihre Kandidatur angemeldet. Eine Vorentscheidung soll durch ein Votum aller 400.000 Parteimitglieder getroffen werden.

Der Parteinachfolger des gescheiterten Kanzlerkandidaten Laschet muss schwierige Aufgaben gleichzeitig meistern: Einer völlig verunsicherten CDU neues Selbstvertrauen geben und eine weitere Spaltung verhindern; das schwer beschädigte Verhältnis zur kleinen bayerischen Schwester CSU kitten; eine neue inhaltliche Profilierung vorantreiben – und kraftvoller Oppositionsführer sein.