Mexiko-Stadt - Mexiko will dem Wikileaks-Gründer Julian Assange politisches Asyl bieten. Er werde Außenminister Marcelo Ebrard anweisen, einen entsprechenden Antrag bei den Behörden Großbritanniens zu stellen, sagte Staatspräsident Andrés Manuel López Obrador am Montag in seiner täglichen Pressekonferenz. Er verwies auf Mexikos Tradition, politisch Verfolgten Schutz zu bieten. Das Land sorge aber auch dafür, dass diese sich nicht in die Angelegenheiten anderer Staaten einmischten.

Ein Gericht in London hatte zuvor eine Auslieferung von Assange an die USA abgelehnt. Die Richterin begründete dies mit dem psychischen Gesundheitszustand Assanges und den Haftbedingungen, die ihn in den USA erwarten würden. Die US-Justiz wirft dem gebürtigen Australier vor, gemeinsam mit der Whistleblowerin Chelsea Manning – damals Bradley Manning – geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan gestohlen und veröffentlicht zu haben. Der 49-Jährige habe damit das Leben von US-Informanten in Gefahr gebracht. Beobachter sehen diesen Vorwurf als entkräftet an. Assanges Unterstützer sehen in ihm einen investigativen Journalisten, der Kriegsverbrechen ans Licht gebracht hat.

López Obrador nannte das Urteil einen „Triumph der Justiz“. Er sei für eine Begnadigung von Assange. Der mexikanische Staats- und Regierungschef gilt als Linkspopulist und Nationalist, der sich bisher gut mit US-Präsident Donald Trump verstanden haben soll. Mexiko war in der Vergangenheit immer wieder ein Zufluchtsort für Linke. So fanden dort etwa Spanier während des dortigen Bürgerkriegs und Südamerikaner während der Militärdiktaturen der 1970er-Jahre dort Zuflucht. Zuletzt ging Ende 2019 Boliviens Ex-Präsident Evo Morales für rund einen Monat ins mexikanische Exil.