Russland hat in der Ukraine mit Methoden der digitalen Kriegsführung bislang deutlich weniger Erfolg gehabt, als von vielen erwartet worden war. Cybersicherheitsexperten hätten mit verheerenden, großflächigen Cyberangriffen auf die Ukraine gerechnet, sagte General Karol Molenda, Leiter des polnischen Nationalen Cybersicherheitszentrums, am Mittwoch bei einer Internationalen Fachmesse im französischen Lille. Aber die Ukraine sei vorbereitet gewesen und „hat den Angriffen Russlands standgehalten“.

Der litauische Chef für Cybersicherheit, Oberst Romualdas Petkevicius, sagte der Nachrichtenagentur AFP, Russland sei offenbar nicht in der Lage, „einen koordinierten Cyber- und kinetischen Krieg zu führen“. Derzeit gebe es überall in der Ukraine Cyber-Aktivitäten, „aber ich glaube nicht, dass sie sehr gut geplant sind“.

Diskrepanz zwischen Hackerangriffe und russischer Militäroffensive

Ähnlich äußerte sich General Didier Tisseyre, Leiter der französischen Cyberabwehrtruppen: Es gebe eine offensichtliche Diskrepanz zwischen den Hackerangriffen und der russischen Militäroffensive vor Ort. „Vielleicht haben sie es nicht geschafft, das so zu organisieren, wie sie es wollten“. Oder Moskaus Fähigkeiten auf dem Gebiet „sind nicht so stark, wie wir es uns vorstellen“.

Tisseyre unterstrich jedoch auch, dass die Analyse des Cyberkonflikts dadurch erschwert werde, dass unabhängige Hackergruppen in den Kampf eingetreten seien und zugleich Unternehmen wie Microsoft und Starlink die Ukraine unterstützten. Er verglich den Cyber-Krieg in der Ukraine mit einer „Rugby-Weltmeisterschaft, bei der alle Mannschaften ohne ihre charakteristischen Trikots auf dem Feld stehen“. Und zusätzlich dazu tummele sich noch die halbe Zuschauerschaft auf dem Spielfeld.