In der Bundeswehr ist es gegenüber Homosexuellen zu Diskriminierungen gekommen.
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BerlinBis ins Jahr 2000 wurden homosexuelle Männer in der Bundeswehr benachteiligt und mussten um das Ende ihrer Karriere fürchten. Dieses Vorgehen soll von disziplinarrechtlichen Folgen bis zur Entlassung aus der Truppe gereicht haben. Das belegt eine Pilotstudie von Militärforschern, die das Verteidigungsministerium selbst in Auftrag gegeben hat. Die Bundeswehr distanziert sich zu der bis zur Jahrtausendwende gängigen Praxis in den eigenen Reihen.

„Die Praxis der Diskriminierung Homosexueller in der Bundeswehr, die für die Politik der damaligen Zeit stand, bedauere ich sehr. Bei denen, die darunter zu leiden hatten, entschuldige ich mich“, sagte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer bereits im Vorfeld der Veröffentlichung einer Analyse zu politischen Linien in vergangenen Jahrzehnten und ergänzte: „Ich möchte die Erkenntnisse der Studie nutzen, um die Vergangenheit weiter aufzuarbeiten und das Gesetzesvorhaben für die Rehabilitierung der Betroffenen voranzubringen.“

Wehrbeauftrage fordert Wiedergutmachung

Die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl, spricht sich für eine Wiedergutmachung für die diskriminierten Soldaten aus: „Der Knackpunkt wird hier sein, wie die betroffenen Soldaten entschädigt werden können. Eine solche Entschädigung sind wir den betroffenen Soldaten schuldig“, sagte sie.

Mit der Diskriminierung von homosexuellen Soldaten hat sich das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr beschäftigt. Unter dem Titel „Zwischen Tabu und Toleranz“ hat es den Umgang der Armee von 1955 bis ins Jahr 2000 beleuchtet. Dabei soll laut eigenen Angaben unter anderem auf interne Papiere des Ministeriums sowie Entscheidungen von Truppendienstgerichten zurückgegriffen worden sein.