Spaceport America - Der britische Milliardär Richard Branson ist mit seinem Raumschiff „VSS Unity“ als erster Weltraum-Tourist ins All geflogen. Mit fünf weiteren Astronauten startete Branson am Sonntagnachmittag deutscher Zeit vom Weltraumbahnhof Spaceport America im US-Bundesstaat New Mexico zum Testflug seines Raumfahrtunternehmens Virgin Galactic – wegen schlechter Wetterbedingungen etwas später als ursprünglich geplant.

In einer Höhe von etwa 15 Kilometer wurde das Raumschiff abgesetzt, dann beschleunigte es auf eine Geschwindigkeit von mehr als 3700 Stundenkilometer und tauchte anschließend in über 80 Kilometern Höhe in die Schwerelosigkeit ein. Nach wenigen Minuten, in denen die Astronauten Schwerelosigkeit erfuhren, setzte das Raumschiff zum Wiedereintritt in die Erdatmosphäre an und landete schließlich wieder auf dem Weltraumbahnhof. Branson gratulierte noch im Landeanflug seiner Firma und nannte die Erfahrung „wunderschön“.

Branson schafft Weltraum-Flug noch vor Bezos

Ziel von Branson, aber auch von Amazon-Gründer Jeff Bezos und Tesla-Chef Elon Musk ist es, ins Geschäft mit dem Weltraumtourismus einzusteigen. Doch Bransons All-Trip ist auch ein gelungener PR-Coup gegen seinen Konkurrenten Bezos: Der reichste Mann der Welt hatte in den vergangen Wochen seinen Flug am 20. Juli ins Weltall mit großem Aufwand beworben – dann kam Unternehmer Branson und kündigte an, dass er neun Tage früher fliegen werde.

AP/Andres Leighton
Richard Branson (l.) feiert mit seiner Crew den gelungenen Weltraum-Flug.

Unter Experten ist es jedoch strittig, ob Branson tatsächlich im Weltraum war: Der Internationale Luftfahrtverband (FAI) und viele andere Experten sehen zwar 100 Kilometer über der Erde als Grenze zum Weltraum an, es gibt jedoch keine verbindliche internationale Regelung. So haben auch Soldaten der US Air Force die Bezeichnung Astronaut erhalten, obwohl sie nur in eine Höhe von 50 Meilen (80,5 Kilometer) geflogen waren. Zum Vergleich: Die internationale Raumstation ISS befindet sich etwa 400 Kilometer über der Erdoberfläche.

„VSS Unity“-Raumflugzeug soll ab 2022 Touristen ins All bringen

Das 18 Meter lange „VSS Unity“-Raumflugzeug bietet zwei Piloten und sechs Passagieren Platz, ab 2022 soll es Touristen ins All bringen. Der steinreiche Abenteurer ist bei Weitem nicht der erste Tourist in der Schwerelosigkeit, doch will er mit Virgin Galactic kommerzielle Weltraumflüge salonfähig machen – genauso wie Jeff Bezos und Elon Musk.

Blue Origin, die Raumfahrtfirma von Jeff Bezos, hatte bereits im Mai einen bemannten Flug mit der Rakete „New Shepard“ angekündigt. Der 57-Jährige will unter anderem seinen Bruder und eine 82-jährige ehemalige US-Pilotin auf den Jungfernflug in den Weltraum am 20. Juli mitnehmen. Ein weiterer Sitzplatz war vor wenigen Wochen für 28 Millionen US-Dollar an eine bislang unbekannte Person versteigert worden.