Berlin - Der Prozess gegen einen Rechtsanwalt und einen früheren Filmemacher, die sich rund 16 Millionen US-Dollar erschlichen haben sollen, ist am Freitag kurz nach seinem Beginn vertagt worden. Einer der Angeklagten befinde sich laut der Justizvollzugsanstalt (JVA) Moabit in Corona-Quarantäne, erklärte der Vorsitzende Richter. Weil ohne den 50-Jährigen nicht verhandelt werden könne, unterbrach das Landgericht den Prozess bis zum 5. Januar.

Hintergrund des Verfahrens soll ein mutmaßlicher Betrugsfall in der Filmbranche sein. Nach einem gescheiterten Projekt soll der 56-jährige Jurist 2011 in Absprache mit dem Mitangeklagten Zwangsvollstreckungsmaßnahmen gegen ein libysches Unternehmen eingeleitet und unberechtigt rund 16 Millionen US-Dollar erlangt haben. Das Geld habe er nicht an eine angeblich von ihm vertretene Architekten-GmbH weitergeleitet, sondern an den Mitangeklagten beziehungsweise dessen Filmfirma.

Seit 2015 scheiterten mehrere Prozessanläufe, weil der 50-Jährige aus Sicht der Justiz jeweils seine Verhandlungsunfähigkeit nachweisen konnte. Die zuständige Strafkammer sei nach weiteren Ermittlungen aber zu der Auffassung gelangt, dass sich der Mann so dem Verfahren entziehen wollte, hieß es. Im November 2019 wurde demnach Haftbefehl gegen den 50-Jährigen erlassen. Er sei schließlich im Sommer 2020 in seinem Wohnort auf Malta festgenommen und später nach Deutschland ausgeliefert worden. Er befindet sich seit Mitte September in Berlin in Untersuchungshaft.

Nach Mitteilung der Justizvollzugsanstalt soll der 50-Jährige wegen eines näheren Kontaktes zu einem erkrankten Mitinhaftierten bis zum 24. Dezember in Corona-Quarantäne verbleiben. Für den Prozess hat das Landgericht 25 Verhandlungstage bis Ende März 2021 vorgesehen.