Ouagadougou -  Bei zwei Angriffen mutmaßlicher Dschihadisten im Norden von Burkina Faso sind mehr als hundert Menschen getötet worden. Bei einem nächtlichen Überfall auf das Dorf Solhan mit mindestens hundert Toten handele es sich um die blutigste Attacke seit dem Beginn der dschihadistischen Gewalt im Jahr 2015, verlautete am Samstag aus Sicherheitskreisen. Präsident Roch Marc Christian Kaboré sprach von einer „barbarischen“ Tat. Zuvor waren in der Region 14 weitere Menschen getötet worden.

Die beiden Attacken wurden im Dreiländereck verübt, das von Burkina Faso, Mali und dem Niger gebildet wird. Diese Region wird häufig von dschihadistischer Gewalt erschüttert. Unter den Toten in Solhan seien „Männer und Frauen unterschiedlichen Alters“, berichteten die Sicherheitsvertreter.

Überlebender: Angreifer nahmen „Hinrichtungen“ vor

Die Opferzahl könne noch weiter steigen. Die Angreifer hatten demnach zunächst den Posten einer Bürgerwehr attackiert, die an der Seite der Armee gegen Dschihadisten kämpft. Danach griffen sie nach Angaben eines Überlebenden Häuser an und nahmen „Hinrichtungen“ vor.

Die Regierung bezeichnete die Angreifer als „Terroristen“. Sie hätten Häuser angezündet und den zentralen Markt in Brand gesetzt. Präsident Kaboré sprach von einer "verabscheuungswürdigen" Tat. „Wir müssen diesen Feinden der Aufklärung geeint und massiv entgegentreten“, sagte er. Die Regierung entsandte Einsatzkräfte, um die Angreifer zu „neutralisieren“ und die Gegend zu sichern. Zudem ordnete sie eine dreitägige Staatstrauer an.

Zuvor hatten Sicherheitsvertreter aus Burkina Faso einen Angriff auf das ebenfalls nahe der Grenzen zu Mali und Niger gelegenen Dorf Tadaryat gemeldet, bei dem am späten Freitagabend mindestens 14 Menschen getötet worden waren, darunter 13 Zivilisten. Nach Angaben einer örtlichen Quelle kam es in Tadaryat auch zu Plünderungen; unter anderem raubten die Angreifer demnach Vieh und Motorräder.

Der Sahel-Staat Burkina Faso wird immer wieder von islamistischen Gruppierungen heimgesucht, die aus dem benachbarten Mali ins Land eindringen. Seit 2015 fielen bereits mehr als 1300 Menschen der Gewalt zum Opfer.