München -  Markus Söder hatte sich lange Zeit gelassen, aber eineinhalb Wochen vor dem EM-Auftakt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ist klar: Das Spiel am 15. Juni gegen Frankreich in der Münchner Arena wird vor rund 14.000 Zuschauern stattfinden, ebenso die drei weiteren Partien. „Wir halten das für vertretbar“, sagte der bayerische Ministerpräsident (CSU) am Freitag nach einer Sitzung des Kabinetts und betonte: Die EURO sei eine „Sondersituation“.

„Top. Das freut uns alle sehr“, sagte Kai Havertz im Trainingslager der DFB-Auswahl in Seefeld. „Ich hatte“, ergänzte der Champions-League-Held, „das Vergnügen in der Premier League, im FA-Cup- und im Champions-League-Finale vor Fans zu spielen. Der Fußball und wir Spieler leben von den Fans.“ Auch wenn es nur 14.000 Zuschauer auch bei den Spielen gegen Europameister Portugal (19. Juni) und Ungarn (23. Juni) seien: „Das wird sich anhören wie 80.000.“

Söder wies darauf hin, dass Zuschauer nur mit einem negativen Coronatest ins Stadion kämen und dort dann eine Maske tragen müssten, dies alles sei Teil eines „strengen Hygienekonzepts“. Die Details auch mit Blick auf die Anreise und Abreise der Zuschauer müssen aber erst noch geregelt werden. „Das wird jetzt unmittelbar angegangen“, sagte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU). In Gesprächen mit der Stadt soll außerdem ein Sicherheitskonzept festgelegt werden.

20 Prozent der Arena belegt

Die rund 14.000 Zuschauer entsprechen 20 Prozent der Kapazität der Münchner Arena bei internationalen Spielen (70.000). „Wir wären ein schlechtes Gastgeberland, wenn wir diese 14.000 Zuschauer nicht hätten zulassen können“, sagte der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler). Die Europäische Fußball-Union (UEFA) hatte 14.500 Zuschauer gefordert und die entsprechende Anzahl an Tickets bereits verlost, die Stadt München aber nie eine Garantie abgegeben.

„Ich freue mich, dass nunmehr endlich klar ist, dass die Münchner EM-Spiele mit Zuschauern im Stadion stattfinden können“, sagte Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), übte jedoch noch einmal leise Kritik an der aus seiner Sicht zu späten Beschlussfassung der zuständigen Staatsregierung: „Für alle Beteiligten wäre allerdings eine frühere Entscheidung hilfreich gewesen.“ Immerhin sei die Infektionslage seit Wochen stabil gewesen. Ein geplantes Fan-Fest im Olympiapark ist freilich abgesagt.

Die Sicherheitsbehörden sehen die Entscheidung mit gemischten Gefühlen. „Es ist sehr, sehr viel Arbeit, aber wir werden das schultern“, sagte Peter Pytlik, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Bayern dem SID. Ob die Entscheidung in Pandemie-Zeiten sinnvoll sei, wolle er nicht bewerten, es werde aber eine „zusätzliche Belastung“ auf die Polizei zukommen. „Wir dürfen auch die Innenstadt nicht außer Acht lassen. Die Leute werden natürlich feiern bei den Spielen.“

Inzidenz in München bei 26,1

Die Zulassung von Zuschauer von Zuschauern bei den vier EM-Spielen in München (am 2. Juli findet dort noch ein Viertelfinale statt) war möglich geworden, weil sich die Infektionslage in Bayern zuletzt „deutlich“ entspannt habe, betonte Söder. Am Freitag lag die Inzidenz in München bei 26,1 und damit den vierten Tag in Serie unter 30. Zuvor hatte sie fünf Tage nacheinander unter 35 gelegen.

Söder bezeichnete die Zulassung von Zuschauern für die vier EM-Spiele auch als einen „Pilot- und Probelauf“ für „weiteren Profisport in Deutschland.“ Zunächst gilt ab Montag in Bayern mit Ausnahme der EM: Die Zuschauerzahl bei Sportveranstaltungen im Freien bleibt auf nur 500 beschränkt. Dennoch: „Dass Zuschauer zugelassen sind, bedeutet auch, dass die Inzidenzen sinken. Das heißt, dass der Amateursport sicher bald wieder loslegen kann. Das freut mich für die ganzen Jungs“, sagte Nationalspieler Robin Gosens.