Berlin -  Die Initiatoren der Aktion #allesdichtmachen wollen nach eigenen Angaben die Schutzmaßnahmen gegen die Corona-Pandemie „weiter auf breiter Basis diskutiert sehen“. Unter dem Motto #allesdichtmachen hatten Dutzende Schauspielerinnen und Schauspieler mit satirisch gemeinten Clips die Corona-Politik der Bundesregierung kommentiert. Die Aktion mit Künstlern wie Jan-Josef Liefers, Heike Makatsch, Ulrich Tukur, Volker Bruch, Meret Becker, Ulrike Folkerts oder Richy Müller hatte für Aufsehen gesorgt. Andere prominente Schauspielkollegen reagierten entsetzt.

Im Impressum der Seite allesdichtmachen.de war der wenig bekannte Regisseur Bernd Wunder als verantwortlich genannt. Wunder sagte der dpa am Freitag, er sei nicht der Initiator, sondern Teil einer großen Gruppe. Es gehe bei der Aktion darum, die Angemessenheit der Maßnahmen zu diskutieren. Er selbst habe kein Video gepostet, weil er kein Schauspieler sei, sagte Wunder. Deswegen habe er im Hintergrund agiert und organisiert. So sei er im Impressum gelandet.

Die Seite war am Freitag nicht mehr aufrufbar. Wunder sprach von technischen Problemen. Auf seinem –inzwischen auf privat gestellten – Instagram-Account ist teils heftige Kritik gegen Corona-Maßnahmen zu finden, Befürworter werden „Coronazis“ genannt. Dies würde er heute nicht mehr wiederholen, sagte Wunder.

In einem Statement Wunders war von einem „Verbund von Kulturschaffenden“ als Initiatoren die Rede. „Weder leugnen wir Corona, noch stellen wir die Gefahr, die von der Krankheit ausgeht, in Abrede“, hieß es. „Dennoch halten wir es für angemessen und erforderlich, den Umgang mit der Krankheit und die daraus abgeleiteten Maßnahmen wieder und wieder öffentlich zu diskutieren und besprechen.“ Die Kampagne habe „bewusst die Stilmittel der Übertreibung, der Satire, der Ironie und der Zuspitzung“ gewählt. Es gehe darum, „den Diskussionsraum wieder zu öffnen und andere Meinungen zu hören“. Es sei zu diskutieren, „ob die in den letzten zwölf Monaten angeordneten Maßnahmen in allen Bereichen des privaten und öffentlichen Lebens angemessen, zielführend und sinnvoll sind“.

Hier das Statement des Verbunds der Kulturschaffenden im Wortlaut:

„Wir als Verbund von Kulturschaffenden und ich als ein Teil dieser größeren Gruppe von Menschen wollen die Diskussion um die Angemessenheit der Corona-Schutzmaßnahmen weiter auf breiter Basis diskutiert sehen. Weder leugnen wir Corona, noch stellen wir die Gefahr, die von der Krankheit ausgeht, in Abrede. Dennoch halten wir es für angemessen und erforderlich, den Umgang mit der Krankheit und die daraus abgeleiteten Maßnahmen wieder und wieder öffentlich zu diskutieren und besprechen. Unsere Kampagne hat dabei bewusst die Stilmittel der Übertreibung, der Satire, der Ironie und der Zuspitzung gewählt, um Gedankenanstöße zu geben, den Diskussionsraum wieder zu öffnen und andere Meinungen zu hören.
Wir sehen uns in eine Ecke gestellt mit rechten Verschwörungstheoretikern, Reichsbürgern und Corona- und Pandemieleugnern. Nichts liegt uns ferner. Es gibt im aktuellen Spektrum des Bundestages auch keine Partei, der wir ferner stehen als der AfD. Wir sind bei all jenen, die zwischen die Fronten geraten sind. Den Verängstigten, den Verunsicherten und Eingeschüchterten und jenen, die verstummt sind. Wir wollen in einer pluralistischen, offenen und diskussionsfreudigen und -willigen Gesellschaft leben, in der Meinungen auf der Basis von gegenseitigem Respekt, guter Argumente und individueller Sorgen besprochen werden können, ohne dass jene, die eine Meinung äußern, verunglimpft, beleidigt oder gar bedroht werden.
Es ist zu diskutieren, ob die in den letzten 12 Monaten angeordneten Maßnahmen in allen Bereichen des privaten und öffentlichen Lebens angemessen, zielführend und sinnvoll sind. Hierbei behaupten wir nicht, es besser zu wissen, und auch nicht, dass alle Maßnahmen falsch sind. Doch die Ereignisse der letzten Monate muss uns doch allen Hinweis sein, dass vieles eben nicht gut gelaufen ist. Unser klares Ziel ist demgemäß, die Diskussion wieder zu öffnen, zu verbreitern und Stimmen Gehör zu verschaffen, die bisher nicht gehört wurden oder die keine Bühne gefunden haben.“