Das Rettungsschiff Louise Michel (Screenshot aus Twitter-Video)
Foto: AFP/Jennifer Katsamantou

RomZwei Schiffe von Aktivistengruppen kommen dem in Seenot geratenen Rettungsschiff Louise Michel zu Hilfe. Das von dem britischen Künstler Banksy gestiftete Schiff hatte am Samstag nach einer Rettungsaktion im Mittelmeer einen Notruf abgesetzt: Es sei überladen, es gebe einen Toten und mehrere Verletzte. Die Behörden in Italien und Malta hatten laut Aktivisten zuvor nicht auf den Notruf reagiert.

Eines der helfenden Schiffe ist die von der niederländischen Gruppe der Organisation Ärzte ohne Grenzen und dem deutschen Verein Sea-Watch betriebene Sea Watch 4. Das zweite Schiff ist die von der italienischen Organisation Mediterranea betriebene Mare Ionio.

Aktivisten: „Drohende Todesgefahr“

Mediterranea erklärte der Nachrichtenagentur AFP zufolge, die Situation sei dramatisch. „Es gibt viele Frauen und Kinder, viele Menschen haben ernsthafte medizinische Probleme aufgrund von Benzinverbrennungen und vielen Stunden auf See“, so die Gruppe. Sie kritisierte, Italien und Malta würden die „drohende Todesgefahr“ an Bord der Louise Michel ignorieren.

Nach einer ersten Rettungsaktion am Donnerstag, bei der 89 Menschen aufgenommen worden waren, habe die Louise Michel am Freitag 130 weitere Migranten von einem sinkenden Schlauchboot gerettet, erklärte deren Besatzung. Neben dem Todesopfer seien mehrere Menschen mit durch Treibstoff verursachten Verbrennungen an Bord. Banksy, dessen genaue Identität unbekannt ist, kritisierte die EU in einem auf Instagram veröffentlichten Video.

In diesem Jahr versuchen wieder vermehrt Menschen, von Libyen und Tunesien aus mit Booten nach Europa zu gelangen. Laut den jüngsten Daten des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR haben sich die Fluchtversuche aus Libyen zwischen Anfang Januar und Ende Juli fast verdoppelt. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) schätzt, dass 2020 bereits mehr als 300 Menschen bei der Überfahrt ums Leben gekommen sind.