BerlinFür das Internationale Auschwitz Komitee ist der 82. Jahrestag der Pogromnacht auch ein Aufruf, Demokratie und Toleranz gegen Hass und Gleichgültigkeit zu verteidigen. „Bis zum heutigen Tag ist für jüdische Überlebende dieser Schreckensnacht die Erinnerung an die Gleichgültigkeit der allermeisten ihrer Nachbarn das Entsetzlichste, womit sie bis heute nicht fertig geworden sind“, erklärte der geschäftsführende Vizepräsident Christoph Heubner am Montag in Berlin.

Die Überlebenden engagierten sich gerade deshalb gegen antisemitischen Hass und die mörderische Gewalt, die aus ihm in Deutschland, Frankreich und Österreich hervorgebrochen sei.

Kundgebung in Moabit

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes veranstaltet am Montag um 18.30 Uhr eine Kundgebung am Mahnmal Levetzowstraße in Moabit zum Gedenken an die Opfer der Pogromnacht vom 9. November 1938.

An dem Tag steckten Nationalsozialisten Synagogen, jüdische Geschäfte und Wohnungen in Brand und misshandelten, verschleppten und ermordeten jüdische Bürger.

Als Redner wird unter anderem der Zeitzeuge und Holocaustüberlebende Kurt Hillman erwartet, der 1933 in Berlin geboren wurde. Außerdem soll Ellen Händler sprechen, die aus einer jüdischen Familie stammt, die während der Nazizeit mehr als 80 Angehörige verlor.

Die Organisatoren hoffen nach eigenen Angaben, dass trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie viele Menschen die Erinnerung an die Pogromnächte nutzen, um ein Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen.

Kranz vor Schöneberger Synagoge 

Die Berliner Staatssekretärin für Justiz, Daniela Brückner, gedachte am Montag der Pogromnacht von 1938. Am Jahrestag der nationalsozialistischen Novemberpogrome legte sie gemeinsam mit dem Ansprechpartner des Landes Berlin für Antisemitismus, Prof. Samuel Salzborn, einen Kranz am Gedenkstein für die ehemalige Synagoge Schöneberg in der Münchner Straße ab. Berlins Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne), der an der Niederlegung teilnehmen wollte, war kurzfristig verhindert, sagte ein Sprecher.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller forderte am Sonntag, Antisemitismus entschieden entgegenzutreten. Es sei beschämend, dass es auch in Berlin auf offener Straße antisemitische Attacken gebe, sagte Müller laut Mitteilung. Mehrere Veranstaltungen für den 9. November wurden wegen der Corona-Pandemie abgesagt.

Bei den Novemberpogromen in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 steckten Nationalsozialisten in ganz Deutschland Synagogen, jüdische Geschäfte und Wohnungen in Brand und misshandelten, verschleppten und ermordeten jüdische Mitbürger.