Mobilmachung eskaliert: Russe schießt auf Rekrutierungsoffizier

In Russland wächst bei vielen Männern die Panik vor der Einberufung in den Ukraine-Krieg. In Sibirien schoss nun ein Mann aus Wut auf einen Soldaten und verletzte ihn lebensgefährlich.

Russland hat eine Teilmobilmachung der eigenen Streitkräfte angeordnet (Symbolbild). Bei der Rekrutierung von Soldaten wurde in Ust-Ilimsk auf einen Kommandanten geschossen.
Russland hat eine Teilmobilmachung der eigenen Streitkräfte angeordnet (Symbolbild). Bei der Rekrutierung von Soldaten wurde in Ust-Ilimsk auf einen Kommandanten geschossen.imago/Yekaterina Shtukina

Die von Wladimir Putin angeordnete Teilmobilmachung sorgt in Russland für Panik bei vielen jungen Männern. Mehreren Medienberichten zufolge ist es nun während der Einberufung potenzieller Soldaten zu einer heftigen Eskalation gekommen. In Ust-Ilimsk, einer Stadt mit etwa 85.000 Einwohnern in der Region Irkutsk in Sibirien, wurde auf den Kommandanten des Rekrutierungsbüros geschossen, berichtet die britische Zeitung The Guardian. Ob er die Schussattacke überleben wird, sei noch ungewiss.

Auf einem auf Twitter veröffentlichten Zeugenvideo ist zu sehen, wie ein Mann in Tarnkleidung auf den Rekrutierungskommandanten Alexander Eliseew schießt, während andere potenzielle Wehrpflichtige aus dem Raum fliehen.

Getroffener Soldat wurde lebensgefährlich verletzt

Laut The Guardian berichtete einer der Zeugen, dass der Rekrutierungskommandant die Einberufenen versammelte und etwas plump versuchte, die Männer aufzumuntern. Er habe ihnen erklären wollen, warum sie in der Ukraine zu kämpfen haben. Daraufhin sei ein Mann aus der Reihe getreten und rief: „Niemand geht in den Krieg. Jetzt werden wir alle nach Hause gehen“, zitierte The Guardian die Nachrichtenagentur People of Baikal. Daraufhin sollen drei Schüsse gefallen sein. Den Angaben zufolge sei der mutmaßliche Schütze, ein 25-Jähriger, wütend gewesen, weil sein bester Freund einberufen wurde. Er selbst hätte noch keine Papiere erhalten.

Der Gouverneur der Region Irkutsk, Igor Kobzev, schrieb in der Messaging-App Telegram, der Leiter des Entwurfsbüros befinde sich in einem kritischen Zustand im Krankenhaus, wo die Ärzte „um sein Leben kämpfen“. Kobzev sagte, der festgenommene Schütze werde „auf jeden Fall bestraft werden“.

Panik vor Einberufung: Mann zündet sich an

Die Teilmobilmachung der russischen Streitkräfte löst bei vielen Männern in Russland Panik aus. Zehntausende seien bereits aus dem Land geflohen, berichteten Beobachter. In der russischen Großstadt Rjasan habe ein Mann seine Kleidung angezündet, während er rief, er wolle sich nicht am Krieg Russlands in der Ukraine beteiligen. Außerdem wurde ein Video veröffentlicht, auf dem zu sehen ist, wie der mit einer medizinischen Decke bedeckte Mann von Polizeibeamten abgeführt wird.

Am Wochenende war es erneut zu Protesten in vielen russischen Städten gekommen. Bei einem Protest gegen die Mobilmachung sind Polizisten laut Bürgerrechtlern in der russischen Teilrepublik Dagestan im Kaukasus mit Warnschüssen gegen Demonstranten vorgegangen. Landesweit sei es zu weit mehr als 1000 Festnahmen gekommen.